Eine wechselvolle Historie

Geschichte der Orgeln im Trierer Dom

Seit dem 14. Jahrhundert sind Orgeln im Trierer Dom nachweisbar. Anfangs wird es sich noch um ein kleines Instrument gehandelt haben, aber mit jedem Neubau und jeder Erweiterung wuchs die Zahl der Manuale und Register. Bis zum 19. Jahrhundert hatten die Instrumente ihren Platz an der nördlichen Wand des Mittelschiffs. Da sie ähnlich waghalsig wie die Nester der Schwalben unter dem Gewölbe an der Wand hängen, wird die Bauart auch als Schwalbennestorgel bezeichnet. Akustisch ist dies einer der besten Plätze in dem weiten Kathedralraum: der Klang verteilt sich gleichmäßig; die gegenüberliegende Wand und das Gewölbe wirken als "akustische Verstärker".

1832 wurde eine neue Domorgel als Emporenorgel im Westchor errichtet. 80 Jahre später baute man eine Orgel mit zwei Prospekten im Kapitelchor über dem Chorgestühl.

Mit dem Schwalbennest von Johannes Klais Orgelbau bekam die Domorgel 1974 ihren alten Platz an der Nordwand zurück. Seit 1996 kam - als "kleine Schwester" - ein Schwalbennest, ebenfalls von Klais - an der Südwand des Ostchors hinzu.

Blättern Sie durch die wechelsvolle Geschichte der Trierer Domorgeln!


Frühere Orgeln im Trierer Dom

  • Orgel von Florentius Hocque (1593)

    Niederländische Orgelbauer im Trierer Dom

    Orgel von Florentius Hocque (1593)

    1590 erteilte das Domkapitel dem Orgelbauer Florentius Hocque aus Brabant den Auftrag zu einem Orgelneubau. Hocque hatte lange in Köln gearbeitet und kannte die dortige Domorgel, die es den Trierern so angetan hatte, natürlich gut. So wundert es nicht, dass die 1593 vollendete Orgel mit 25 Registern auf drei Manualen und Pedal dem Kölner Vorbild recht nahe kam.

    Auch über diese neue Orgel wissen wir gut Bescheid, nicht zuletzt wegen eines recht anschaulichen Mängelberichts von 1617. Sie hatte so luxuriöse Zutaten wie etwa zwei Tremulanten, „Vogelgeschrei, Nachtengall und Brumer (Trommel)“, außerdem zwei Zimbelsterne. Ob man den „zwei blasenden Engeln“ wirklich Töne entlocken konnte, oder ob sie nur Zierrat waren, läßt sich allerdings nicht mehr feststellen. Hocque konnte beim Bau „die Pfeifen und andere Materialia in die itzigen alten Orgel, welche so gut als neu sein“, wiederverwenden. Die Bryssiger-Orgel war ja erst gut fünfzig Jahre alt gewesen.

    Die Orgel von Hocque stand - oder besser: hing - 130 Jahre im Dom und wäre vielleicht noch länger im Gebrauch geblieben, hätte nicht 1717 ein Brand großen Schaden am Dom angerichtet. Zwar wurde weder die Hauptorgel, noch die Chororgel direkt von den Flammen ergriffen; die Beschädigungen waren doch so groß, daß ein Orgelneubau beauftragt wurde.

    Disposition

     Hauptwerk (C - a")
    Prinzipal 16‘
    Oktave 8‘
    Mixtur 4‘
    Scharf
    Nasard (4- oder 5fach)
    Oberwerk (C - a")
    Quintadena 16‘
    Hohlpfeife 8‘
    Oktave 4‘
    Deutsche Pfeife 4‘
    Nasard 2 2/3‘
    Superoktav 2‘
    Rauschzimbel 3fach
    Trompete 8‘
    Schalmei 4‘

    Rückpositiv (C - a")
    Prinzipal 8‘
    Quintadena 8‘
    Oktave 4‘
    Hohlpfeife 4‘
    Superoktave 2‘
    Sifflöte 11/3‘
    Mixtur
    Zimbel 2fach
    Krummhorn 8‘
    Regal 4‘

    Pedal
    Prinzipal 16‘
    (Transmission aus
    dem Hauptwerk C - c‘)
    Trompete 8‘
    (Kontra A – c‘,
    Ravalement)

     

  • Orgel von Jean Nollet (1727)

    Alte Schwalbennestorgel nach dem Umbau durch Nollet

    Orgel von Jean Nollet (1727)

    Nach 1717 wurde der Trierer Orgelbauer Jean Nollet mit einem Orgelneubau im Dom beauftragt. Nollet disponierte die Orgel im französischen Barockstil und ließ ihren Umfang auf 35 Register anwachsen. Im Zuge des Orgelbaus wurde auch das Orgelgehäuse samt dem „Laubwerk“, außerdem „alle Engels Undt flügelwerk“ neu angestrichen, vergoldet und versilbert.

    Ein orgelspielender Trierer Karmeliterpater, der 1727 die Abnahme vornahm, ließ allerdings kaum ein gutes Haar an dem Instrument: viele Pfeifen darin seien „zusahmen geflickt“, auch seien „vielle pfeifen“ gefunden worden, die „ihren rechten lauth nit hatten“. Im Gefolge der Revolution wurde auch der Dom beim Einmarsch der französischen Armee 1794 im Innern schwer beschädigt. Den Plünderungen fielen Haupt- und Chororgel zum Opfer; so gut wie alle Metallpfeifen gingen verloren. Vom ganzen Nollet-Werk sollen nur 11 oder 12 ganze Pfeifen und 14 Schallbecher der einstigen Posaune übriggeblieben sein. Das Gehäuse allerdings scheint den Sturm unversehrt überstanden zu haben.

    Disposition

    Hauptwerk
    Montre 16'
    Bordun 16'
    Montre 8'
    Holpfeif 8'
    Quintade 8'
    Praestant 4'
    Fleut 4'
    Terz 3 1/5'
    Doublette 2'
    Quinte 2 2/3'
    Terz 1 3/5'
    Cornett 7fach
    Mixtur 6fach
    Zimbel 4fach
    Posaune 16'
    Trompete 8'
    Vox angelica

    Rückpositiv
    Montre 8'
    Bordun 8'
    Praestant 4'
    Quinte 2 2/3'
    Doublette 2'
    Terz 1 3/5'
    Mixtur 5fach
    Krummhorn 8'
    Vox humana 8'


    Echo
    Bordun 8'
    Praestant 4'
    Quinte 2 2/3'
    Doublette 2'
    Terz 1 3/5'
    Cornett 5fach
    Mixtur 4fach
    Krummhorn 8'
    Trompete (Clairon) 4'



    Ein Pedalwerk ist nicht nachgewiesen. Wahrscheinlich war das Pedal an das Hauptwerk "angehängt".

  • Eine Orgel aus Himmerod

    Eine Orgel aus Himmerod

    Im Inventar des nach der Säkularisierung zur Versteigerung ausgeschriebenen Domänenguts Himmerod wird u. a. eine „herrliche Orgel" aufgelistet, die dem Bischof von Trier für seine Domkirche überlassen wurde und dort von dem Cochemer Orgelbauer Konrad Kemp zwischen 1807 und 1812 in das vorhandene Gehäuse eingebaut wurde. Dieses spätbarocke Instrument, dessen Disposition ebenfalls französische Einflüsse verrät, besaß 39 Register, verteilt auf drei Manuale und Pedal. Der Organologe Franz Bösken schreibt dieses Werk Johann Bernhard Nollet (1748 - ca. 1802), einem Enkel von Jean Nollet, zu.

    Johann Bernhard Nollet erlernte das Handwerk des Orgelbauers bei seinem Vater Roman Benedikt (1710 – 1779), den Pastor Peter Carové aus Bernkastel als ein „Mann auffallend durch künstlerische Fähigkeiten und miserable Sitten” charakterisierte. Erhalten sind von ihm in Trier noch das prächtige Orgelgehäuse von St. Paulin, dessen Entwurf auf Balthasar Neumann selbst oder dessen Mitarbeiter in Trier, Johann Seitz, zurückgeht, sowie die für die Pfarrkirche St. Antonius erbaute Orgel, die heute in der Pfarrkirche St. Georg in Trier-Irsch steht.

    Johann Bernhard arbeitete zunächst gemeinsam mit seinem Vater, so 1772/73 die Orgel in Klausen (seit 1804 in der Metzer Kirche St. Martin) und jene in der Zisterzienserabtei Orval. Pierre-Alexandre Merjai, eine Freund des Abtes von Orval, besichtigte die Orgel während eines Besuches 1786. Seinen Aufzeichnungen nach besaß dieses auf einem 32-Fuß basierende Werk mehr als 80 Registerzüge und erzeugte „im vollkommenen Akkord eine Musik, die dazu angetan ist, den Herrn mit Hymnen zu preisen.”

  • Orgel von Heinrich Wilhelm Breidenfeld (1837)

    Die Breidenfeld-Orgel im Westchor des Domes

    Orgelbaulicher Klassizismus aus dem Münsterland

    Die Breidenfeld-Orgel von 1837

    Vermutlich hatte die Qualität der Himmeroder Orgel durch Abbau, Transport und Lagerung gelitten, und so war es eine weitere Schenkung, diesmal die von den Brüdern Johann Philipp und Johann Heinrich Stumm erbaute Orgel des säkularisierten Franziskanerklosters in Wetzlar, durch den Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. an Bischof Hommer (1824-36), die 1829 erneut die Orgelfrage aufkommen ließ.

    Da das Instrument bei zwei Manualen über "nur" 30 Register verfügte, erbat man zunächst bei den Gebrüdern Stumm einen Plan zur Erweiterung. Da diese den Trierern aber immer noch als zu klein für ihre Domkirche erschien, wandte man sich - wohl durch Vermittlung des Trierer Abbé Joseph Mainzer - an den Darmstädter Hoforganisten J. Chr. H. Rinck (1770 - 1846) zwecks Erstellung einer Disposition. Möglicherweise bewog dessen Vorschlag das Domkapitel zur Aufgabe des bisherigen Orgelstandortes, denn 1831 legte der Trierer Bauinspektor Johann Georg Wolff, von dem noch etliche Bauten im klassizistischen Stil in Trier und Umgebung (Kasino am Kornmarkt, Hauptzollamt am Johanniterufer, kath. Kirche in Bollendorf) erhalten sind, den Plan zur Errichtung einer Orgelbühne nach griechischem Vorbild im Westchor vor. Die Preußische Regierung genehmigte den Vorschlag, und so konnte die Orgelempore bereits 1832 fertiggestellt werden. Wegen der Lieferfrist von vier Jahren wurden jedoch die Verhandlungen mit den Brüdern Stumm abgebrochen. Statt dessen streckte man die Fühler gen Münster aus zu dem bekannten Orgelsachverständigen Prof. Dr. Antony, der seinerseits den Kontakt zum Orgelbauer Wilhelm Breidenfeld (1794 - 1875), einem Schüler von Caspar Melchior Vorenweg, herstellte. Dies war zu einer Zeit, in der markante Persönlichkeiten in Abgrenzung zum konservativ-restaurativen Orgelbau nach neuen Wegen suchten: Abbé Vogler (1749 - 1814) und sein so genanntes "Simplifikationssystem", Eberhard Friedrich Walcker (1794 - 1872) mit seiner bahnbrechenden Erfindung der Kegellade, dessen Initialbau die Orgel der Frankfurter Paulskirche war. Hier hatte der Magistrat der Stadt zuvor auch einen Vorschlag Rincks eingeholt, den Walcker jedoch mit der Begründung ablehnte, dass jener am Überkommenen festhielte, obwohl es längst keine Funktion mehr besäße.

    Vor dieser Entwicklung im deutschen Orgelbau des frühen 19. Jahrhunderts mutet die Entscheidung der Verantwortlichen in Trier zugunsten eines nach dem klassischen Werkprinzip erstellten Instruments nicht gerade progressiv an. Und so schnell Einigkeit über die Disposition bestand, so heftig entbrannte zunächst der Streit um die äußere Gestaltung des Werkes, bald auch um das klangliche Ergebnis. Kein geringerer als Schinkel äußerte sich anlässlich einer Reise durch die Rheinprovinz 1833, dass die neu zu errichtende Orgel im Trierer Dom nicht "durch Geschmacklosigkeit seiner äußeren Form" das Innere der Kirche entstellen möge. Doch der von der Königlichen Oberbaudeputation eingereichte Entwurf fand nicht die Zustimmung des Domkapitels, das daraufhin den Vorschlag von Breidenfeld und Antony auszuführen gedachte. Um den "nachtheilige[n] Einfluss des Ungeschmacks des Orgelbauers abzuwenden", interveniert man aus Berlin, sich auf keinen Fall "eine Abweichung von dem höheren Orts hergestellten Bauplan und an der Zeichnung zu erlauben."

    Schließlich einigt man sich darüber, die geteilten Gehäuseelemente durch ein dreigliedriges Zwischenstück zu verbinden. Scheinbar kein gelungener Kompromiss, denn im Gutachten vom 10. Juli 1837 heißt es, dass das Orgelgehäuse "ganz neuer Art" nicht zu dem alten ehrwürdigen Dom passe. "Der Bau desselben ist gar nicht geeignet, einem so großen Werke das majestätische 16' Aussehen zu geben." Auch bezüglich des Klanges fällt die Beurteilung nicht sonderlich positiv aus. So seien die Mensuren zu eng genommen, die Pfeifen im Diskant teilweise zu schwach, andere hingegen zu scharf, und die veralteten Register Sesquialter und Cymbel würden "mit der Mixtur gemeinschaftlich ein elendes, schneidendes Schreien im Discant verursachen." Die unpräzise Ansprache der 32'- und 16'-Register im Pedal sei vermutlich auf zu kurze Ventile und zu enge Kanzellen zurückzuführen. Ein anonymer Schreiber gibt daraufhin in der Trierer Zeitung zu bedenken, "ob man nicht die große Orgel, welche durchaus nicht zum Dom paßt, vielleicht zum Gebrauch in der neu zu erbauenden Basilica lucrativ abgeben könnte." Gegen derartige Beurteilungen wird zunächst in der "Trierer Zeitung" heftigst polemisiert, denn der "verständige Orgelbauer" habe gezeigt, dass "er nicht geschmackswidrig in einem Heer von kreischenden Schreiern, sondern in einem Chor stark und angenehm zusammenklingender Stimmen das Edle und Schöne eines großartigen Orgelwerks für ein so erhabenes Gebäude" geschaffen habe. Auch die Expertenkommission bescheinigt vor dem Vertreter des Bischofs und dem Kapitel Breidenfeld schlussendlich eine hervorragende Arbeit.

    1870 werden einige Änderungen an der Disposition vorgenommen, doch ab 1890 die Nachteile des Aufstellungsortes im Hinblick auf die Unterstützung des Choralgesanges zunehmend thematisiert. Domorganist Pauli favorisiert einen Orgelneubau nach modernem System (Registerkanzelle statt wie bisher Tonkanzelle), denkt gar über die Möglichkeit nach, das neu zu schaffende Werk im Westen mit einem elektrisch verbundenen Spieltisch vom Hochchor aus anzusteuern. (Text von Wolfgang Valerius)

    Disposition

    I. Manual (C-f''')
    Prinzipal 16'
    Bourdon 16'
    Viola di Gamba 16'
    Salicional 8'
    Gemshorn 8'
    Quintatön 8'
    Hohlflöte 8'
    Oktav 4'
    Waldflöte 4'
    Salicional 4'
    Kleingedackt 4'
    Quint 3'
    Superoktav 2'
    Sesquialter 3fach
    Mixtur 5 fach
    Cimbel 2fach
    Trompete 8'

    II. Manual (C-f''')
    Großgedackt 16'
    Prinzipal 8'
    Flaut travers 8'
    Spitzflöte 8'
    Hohlflöte 4'
    Viola di Gamba 8'
    Spitzflöte 4'
    Kleingedackt 4'
    Flageolett 2'
    Oktav 2'
    Mixtur 3fach 1/2'
    Krummhorn 8'
    Vox humana 8'
    III. Manual (C-f''')
    Geigenprinzipal 4'
    Stillgedackt 8'
    Harmonika 8'
    Fernflöte 8'
    Viol d'amore 4'
    Gedacktflöte 2'
    Carillon 2fach (Diskant)
    Fagott 8' Baß
    Oboe 8' Diskant
    Bassetthorn 8'


    Pedal (C-c')
    Untersatz 32'
    Violonbaß 16'
    Subbaß 16'
    Violoncello 8'
    Oktavbaß 8'
    Quintbaß 6'
    Oktavbaß 4'
    Posaune 16'
    Trompete 8'
    Posaune 32'
    Trompete 4'
    Cornettbaß 2'

    Manualumfang 54 Tasten
    Pedalumfang 25 Tasten
    7 Bälge, 8 Windladen
  • Die Weigle-Orgel von 1908

    Die Weigle-Orgel, von Osten gesehen

    Mit Hochdruck ins neue Jahrhundert

    Die Weigle-Orgel von 1908

    Ende des Jahre 1898 wurde vom Domkapitel dann der Bau einer neuen Orgel beschlossen und bereits im Februar 1899 der Kontrakt mit der Firma Carl G. Weigle geschlossen. Da man jedoch der Meinung war, die Firma Breidenfeld nicht ganz übergehen zu können, musste daher ein Teil der Arbeiten vom ortsansässigen Betrieb ausgeführt werden, gleichwohl Domorganist Pauli die Qualität der Firma als sehr bedenklich einstufte.

    Das Besondere an diesem mit 55 Registern immer noch recht bescheiden dimensionierte Werk, das nun auf den beiden Emporen der Seitenkapellen im Ostchor Aufstellung finden sollte, war die Teilung in „Normalorgel“ und „Hochdruckorgel“ (etwa dreifacher Winddruck der Normalorgel). Gemeinhin wird mit Hochdruck im Orgelbau vorschnell aggressive Lautstärke assoziiert. Doch nach Weigle gaben diese Register, die ohne Härte und Schärfe waren, dem vollen Werke durch die Intensität des Tones erst den besonderen Glanz. War das Vorhaben damit sicherlich schon eines der progressivsten der damaligen Zeit, war man mit der elektrischen Verbindung von Taste zum Tonventil erst recht „up to date“ – parallel hielt mit der Entscheidung für Weigle auch die Glühbirne Einzug in den Dom.

    Die so genannte Normalorgel wurde ab Oktober des folgenden Jahres aufgebaut und bereits im Januar 1901 von dem Orgelbauer Gerhardt aus Boppard einer Beurteilung unterzogen. Dessen Kritik bezieht sich vor allem auf den neuen Standort. So sei die Orgel im Schiff selbst zu schwach, unmittelbar am Spieltisch hingegen zu laut. Weigle hingegen lehnt eine Beurteilung seines Werkes vor endgültiger Fertigstellung strikt ab.

    Die Vollendung sollte sich aber verzögern, zunächst wegen eines Konkursverfahrens, das am 31. Dezember 1901 über die Firma Weigle eingeleitet worden war, dann, weil sich das Domkapitel nicht über eine allseits zufriedenstellende Prospektlösung einigen konnte. Bis 1907 zogen sich die Arbeiten hin. Lediglich waren noch die Prospektpfeifen der Hochdruckorgel einzusetzen sowie Reinigung, Stimmung und Intonation der gesamten Orgelanlage auszuführen. Da Weigle dem Domkapitel wegen der Verzögerung nun Mehrkosten in Rechnung stellte, er selbst die ihm gesetzte Frist nicht einhalten konnte, verzichtete man in Trier auf „jedwelche Lieferung“ und bat um die Schlussrechnung. Mit der Fertigstellung wurde mit Vertrag vom 30. Mai 1908 schließlich die Firma Johannes Klais aus Bonn beauftragt, so dass das Orgelprojekt am 29. September des Jahres nach gut neun Jahren Bauzeit endgültig abgeschlossen werden konnte.

    In einem Brief an den Orgelbauer Steinmeyer äußert sich Klais zur Trierer Domorgel mit der Befürchtung, dass das Instrument aufgrund seiner Konstruktion das Domkapitel noch viel Geld kosten werde. Auch sei die pneumatisch-elektrische Verbindung vom Spieltisch zur Hochdruckorgel im „Princip sehr einfach, aber in der Ausführung teuer und umständlich“. Einen Triller schlagen könne man in Trier nicht, hingegen in Erfurt (erbaut 1906 von Klais mit elektrisch angesteuertem Fernwerk) „so flott als man will.“ Dem widerspricht der zu dieser Zeit amtierende Domorganist Kehrer in der „Gregorianischen Rundschau“: „... Ich will letztere [Hochdruckorgel] nicht als vollkommen gelungen bei unserer Orgel bezeichnen, kann aber die Versicherung geben, daß der Ton bei Anschlag der Taste so prompt kommt wie es nur gewünscht werden kann, so prompt wie aus der Pistole geschossen und nicht verspätet“. Nicht zuletzt wegen der „gewaltigen Orgel, die immer imposant klingt und stets auf das zahlreiche Publikum großen Eindruck macht“, schlug der Rheinberger-Schüler Ludwig Boslet eine von der königl. Regierung in München in Aussicht gestellte Professur, sollte es ihm in Trier nicht gefallen, selbstbewusst aus.

    Doch ebenso wie Bildenden Künste und die Architektur des 19. und frühen 20. Jahrhundert lange nicht als eigenständige Stile in der Kunstgeschichte wie auch Denkmalpflege anerkannt waren, so galten auch die Instrumente jener Dezennien als zumeist minderwertige Zeugen einer dekadenten Verfallserscheinung des Orgelbaus, die gemeinhin bis heute mit dem Schlagwort „Fabrikorgelbau“ allzu voreilig deklassiert wird. Heute, wo etliche der großartigsten Zeugnisse dieser Epoche(n) unweigerlich verloren sind, hat sich diese Ansicht geradezu diametral gewandelt. Allenthalben ist man bemüht, durch denkmalpflegerisch-akribische Restaurierung die letzten uns überkommenen Zeugnisse einer durchaus eigenständigen deutschen Orgelkultur zu konservieren. Wie gesagt, 1969 war man in Trier noch nicht so weit (von den Architektursünden ganz zu schweigen), und so musste die imposante Weigle-Orgel einem neuen, nach den Prinzipien des klassischen Orgelbaus errichteten Instrument weichen. Vermutlich fiel die Entscheidung damals relativ leicht, war das Instrument seit der Bombardierung Triers am 14. August 1944, bei der auch der Dom erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden war, ohne Hochdruckwerk seines besonderen Charakters beraubt.

    „Normalorgel“ und Spieltisch auf südlicher Seitenempore; Hochdruckorgel auf nördlicher.

    Die Disposition der Orgel mit 55 klingenden Registern (39 Normal- und 16 Hochdruckregistern (HD)), 3 Manualen mit je 54 Noten (C-f‘‘‘) und einem Pedal mit 27 Noten (C-d‘) enthielt folgende Register:

    I. Manual C – f‘‘‘
    Prinzipal 16‘
    Lieblich Gedackt 16‘
    Tuba 16‘
    HD Prinzipal 8‘
    HD Fugara 8‘
    HD Gedackt 8‘
    HD Gemshorn 8‘
    Trompete 8‘
    Hohlflöte 8‘
    Salicional 8‘
    Flute octaviant 8‘
    HD Oktave 4‘
    Rohrflöte 4‘
    Fugara (Hirtenflöte) 4‘
    Mixtur 5fach 4‘
    Acuta 2 2/3‘
    Oktave 2‘

    II. Manual (Normalorgel) C – f‘‘‘
    Bourdon 16‘
    Salicional 16‘
    Prinzipal 8‘
    Doppelflöte 8‘
    Viola di Gamba 8‘
    Lieblich Gedackt 8‘
    Dulciana 8‘
    Aeoline 8‘
    Dolce 8‘
    Clarinette 8‘
    Oboe 8‘
    Cornett 3-5fach 8‘
    Geigenprinzipal 4‘
    Traversflöte 4‘
    Violine 4‘
    Doublette 2fach 2 2/3‘ und 2‘


    Pedal (Normalorgel)
    Prinzipalbaß 16‘
    Subbaß 16‘
    Violonbaß 16‘
    Gedecktbaß 16‘
    Harmonikabaß 16‘
    Posaune 16‘
    Flötenbaß 8‘
    Bassethorn 8‘
    Oktavbaß 8‘
    Cellobaß 8‘


    III. Manual (Hochdruckorgel)
    HD Stentorphon 8‘
    HD Großgedeckt 8‘
    HD Viola di Gamba 8‘
    HD Flöte 8‘
    HD Violine 8‘
    HD Tuba mirabilis 8‘
    HD Geigenprinzipal 4‘

     

    Pedal (Hochdruckorgel)
    HD Prinzipalbaß  32‘
    HD Subbaß 16‘
    HD Oktavbaß 16‘
    HD Baßtuba 16‘
    Oktavbaß 8‘
    Die Hochdruckorgel, auf der gegenüberliegenden – nördlichen - Seite des Chores war mit der Normalorgel elektro-pneumatisch verbunden.
    Die Hochdruck-Register erhielten 300 mm Wassersäule Druck.
  • Die Agneten-Orgel im Ostchor

    Agneten-Orgel von 1802

    Frühere Chororgeln im Trierer Dom

    Die Agneten-Orgel im Ostchor

    Im März 1996 erhielt der Dom eine neue Chororgel. Gebaut wurde sie von der Firma Johannes Klais Orgelbau in Bonn.

    Aus den Akten des Domarchivs wissen wir, dass es sich dabei keineswegs um die erste Chororgel des Doms handelt. Mindestens drei Vorgängerinstrumente können belegt werden: So ist schon 1512 von „einer eigenen Orgel bei dem Altar“ die Rede.

    Knapp dreihundert Jahre später, 1794, wird wieder von einer kleinen, neu erbauten („encore tout neuve“) Orgel berichtet, die nach dem Einzug der französischen Armee „von den Franzosen fortgenommen“ worden ist. Sie hatte wohl große Ähnlichkeit mit der 1754-57 von Stumm (Rhaunen-Sulzbach) gebauten Orgel in der Trierer Welschnonnenkirche (11 Register auf einem Manual, angehängtes Pedal), über die ausführliche Bauakten vorliegen. Darin wird auf Parallelen zur besagten Chororgel im Dom hingewiesen, welche demnach vor 1754 entstanden sein muss. Da diese als „encore tout neuve“ („noch ganz neu“) bezeichnet wurde, kann es sich wohl nicht um die 1512 erwähnte handeln. Ob die Orgel tatsächlich ganz verschleppt wurde oder nur die Metallpfeifen wie bei der großen, ist zweifelhaft: 1807 nämlich weiß das Bistumsarchiv von einem Verkauf der Reste „der zerstörten sogenannten kleinen Orgel“. Für 26 Taler kaufte der Domorganist Pletz Gehäuse, Windlade und zwei Bälge.

    1802 schließlich wurde die Orgel des säkularisierten Trierer Agnetenklosters in den Dom gebracht. Das heute nicht mehr vorhandene Kloster mit der Hl. Agnes als Patronin lag zwischen Kaiserthermen und Weberbachstraße. Man stellte die Orgel im Dom auf die nördliche Empore oberhalb des Kapitelchors. Wer sie ursprünglich gebaut hat, ist nicht bekannt; vermutet wird Johann Michael Stumm. Die zweimanualige Orgel wurde höchstwahrscheinlich von der Seite aus gespielt. 1905 wurde ihr Platz für die neue Hauptorgel gebraucht. Die schöne Barockorgel verkaufte man daher nach Völklingen-Wehrden. Dort schmückt zumindest ihr Gehäuse noch heute die Pfarrkirche St. Josef.

     

     Disposition

    Hauptwerk
    Hohlpfeif (Gedackt) 8‘
    Viol di Gamb 8‘
    Flaut travers 8‘ (nur Diskant)
    Octav 4‘
    Flauto douce 4‘
    Quint 3‘
    Octav 2‘
    Cornett 4f. (nur Diskant)
    Mixtur
    Trompete 8‘ Bass-Diskant

    Unterwerk
    Bourdon 8‘
    Rohrflöth 4‘
    Salicional (Bass 2‘, ab c1 4‘) Quint 1 1/2‘
    Octav 2‘
    Vox humana 8‘
    Vox angelica 2‘

    Pedal
    drei oder vier Register
    (kam wohl erst 1812 hinzu, bis dahin „angehängt“)