Ein Blick in die Geschichte

Ehemalige Domkapellmeister und Domorganisten

  • Stephan Rommelspacher, Domkapellmeister 2000-2013

    Domkapellmeister von 2000 bis 2013

    Der aus Friedrichshafen am Bodensee stammende Stephan Rommelspacher (geb. 1959) erhielt seine musikalische Ausbildung am Musikgymnasium der Regensburger Domspatzen unter Domkapellmeister Georg Ratzinger. In Freiburg studierte er Kirchenmusik, Schulmusik und Musikwissenschaft, in Wien als Stipendiat des DAAD Orgel-Konzertfach (bei Michael Radulescu). Von 1989 bis 2000 war er Kantor am Münster Unserer Lieben Frau in Villingen und Bezirkskantor der Erzdiözese Freiburg für die Region Schwarzwald-Baar. Zusätzlich versah er Lehraufträge für Orgel-Literaturspiel an den Musikhochschulen Freiburg und Trossingen. Zum 1. Oktober 2000 wurde Stephan Rommelspacher als Domkapellmeister an die Hohe Domkirche Trier berufen. In seine Amtszeit fielen der Neubau der Grundschule am Dom, der Umbau des Chorhauses am Dom, die Neustrukturierung der Nachwuchschorarbeit und die Einrichtung der Domkantorenstelle.

    Seit 2013 ist Stephan Rommelspacher Kantor an der Propsteikirche Leipzig.

  • Klaus Fischbach, Domkapellmeister 1973-2000

    Domkapellmeister von 1973 bis 2000

    1935 in Wallenborn / Eifel geboren, studierte an der Kirchenmusikschule Trier und an der Musikhochschule des Saarlandes Kirchenmusik, Komposition, Musikpädagogik und künstlerisches Orgelspiel. U. a. war er von 1973 bis 2000 Domkapellmeister in Trier und Direktor der Bischöflichen Kirchenmusikschule. Neben seiner umfangreichen Chorarbeit für Rundfunk, Konzert , CD sowie für die regelmäßigen Kapitelsgottesdienste an der Hohen Domkirche Trier, - mit dem Trierer Domchor - fand auch das kompositorische Schaffen internationale Anerkennung und Auszeichnungen. Seine Werke sind in Verlagen des In- und Auslandes veröffentlicht.

    Werkverzeichnis

    Madrigalchor Klaus Fischbach

  • Wolfgang Oehms, Domorganist 1959-1993

    Wolfgang Oehms

    Wolfgang Oehms wurde 1932 in Saffig bei Mayen geboren.

    Sein Kirchenmusikstudium machte er an der Musikhochschule in Köln; 1957 erhielt Oehms das Konzertdiplom für Orgel sowie den Förderpreis der deutschen Musikhochschulen. Nach Abschluss seiner Ausbildung wirkte er als Kantor an der Stiftskirche in Bonn. Seit 1959 war er Domorganist an der Hohen Domkirche in Trier und Dozent an der Bischöflichen Kirchenmusikschule Trier. Von 1969 an hatte Oehms zudem die Stelle des Orgelsachverständigen für das Bistum Trier inne und nahm von 1959 bis 1964 einen Lehrauftrag an der Musikhochschule Saarbrücken wahr. Oehms war auch in der Fortbildungsarbeit für die Kirchenmusiker des Bistums tätig.

    Der erste Höhepunkt des Wirkens von Wolfgang Oehms war die Heilig-Rock-Wallfahrtszeit 1959. Die damalige Orgel im Dom war nur provisorisch von den Kriegsschäden befreit worden, so dass auf ihr zu spielen nicht eitel Freude war. Das Hauptwerk befand sich rechts über dem Kapitelschor. Das Teilwerk über der romanischen Schatzkammer war nicht  mehr spielbar. Als zu Beginn der 60er Jahre der Dom wegen der Renovierung geschlossen wurde, war Oehms so etwas wie ein Domorganist auf der Reise ohne festen Sitz. Zunächst waren die Domgottesdienste überwiegend in der Jesuitenkirche und in der Liebfrauenbasilika, schließlich fast nur in Liebfrauen. Um so größer war die Freude für Wolfgang Oehms, als er 1974 „seine Domorgel“ bekam, die er mit der Firma Klais in Bonn eingehend geplant hatte. Nun hatte der Trierer Domorganist „den schönsten Arbeitsplatz im Bistum Trier“, wie Oehms zu sagen pflegte. 

    Ein Jahr nach der Weihe der Domorgel wurde Oehms auf die Philippinen nach Manila zur Einweihung der von Klais renovierten Bambusorgel eingeladen. Daran schlossen sich einige Orgelseminare an, die das Goethe-Institut in Manila durchführte. Daneben gab Oehms Konzerte in vielen Ländern: in Paris/Notre Dame, in Israel, Südafrika, in den USA, Japan, Thailand, Sri Lanka, Singapur und Hongkong. 

    1988 begann Wolfgang Oehms mit dem Schreiben seiner drei Bücher:

                 „Mit Händen und Füßen, Memorabilien eines Organisten“

                 „Mit Manual und Pfeifen - Neue Memorabilien eines Organisten“

                 „Vox coelestis, ein etwas anderes Orgelbüchlein“

    In diesen kleinen Werken begegnet uns Wolfgang Oehms in sehr abwechslungsreicher Weise. Es geht um die tägliche Arbeit an der Orgel, um das Üben. Die unterschiedlichen Gottesdienste - besonders im Dom - kommen in den Blick und die „Domleute“. Die Orgelfreunde werden erwähnt. Die Studierenden an der Kirchenmusikschule kommen vor. Erlebnisse auf in- und ausländischen Orgelfahrten spielen eine Rolle, darunter besonders die Reisen nach Manila mit der berühmten Bambusorgel. 

    „So bleibt denn zu wünschen, dass auch im Zeitalter der Computer und Raketen die Pfeifenorgel, das königliche Instrument, in hohen Ehren gehalten wird und den Zeremonien der Kirche wunderbaren Glanz verleiht, zudem durch ihren Zauber die Herzen der Gläubigen anrührt und zum Himmlischen, zu Gott, erhebt.“ (Wolfgang Oehms in „Vox coelestis“)

    Nikolaus Föhr


    Bericht von Wolfgang Oehms über die philippinische Bambusorgel

  • Dr. Paul Schuh, Domorganist, später Domkapellmeister 1941 -1959

    Dr. Paul Schuh

    Geboren am 16.06.1910 Trier, gestorben am 06.01.1969 Trier.

    Während seiner Gymnasialzeit sang er im Domchor und erhielt in der Dommusikschule seine musikalische Ausbildung (Stockhausen, Boslet); 1931 Eintritt in das Trierer Priesterseminar, am 28.03.1936 wurde er zum Priester geweiht. Kaplan in Bliesen bei St. Wendel/Saar, anschließend Studienaufenthalt an der Päpstlichen Hochschule für Musik in Rom (1937 - 1941), Kaplan und Organist an der deutschen Nationalkirche „Santa Maria dell´Anima“. Am 01.10.1941 übernahm Schuh das Amt des Domorganisten in Trier, ab Ostern 1958 als Domkapellmeister die Leitung des Domchores und der Dommusikschule. Gleichzeitig wurde er Vikar an der Hohen Domkirche und Dozent für Gregorianik und Kirchenmusik an der theologischen Fakultät Trier. Seit 1946 hatte er die Leitung der Bischöflichen Kirchenmusikschule inne, an der er insbesondere den Orgelunterricht erteilte. 1954 promovierte Paul Schuh an der Univ. Köln zum Dr. phil.

    Schon 1955 ernannte ihn Bischof Dr. Matthias Wehr zum Diözesanpräses der Cäcilienvereine, zugleich war er Glocken- und Orgelreferent. Orgelkonzerte führten ihn u. a. nach Lübeck, Eutin, Regensburg, Köln, sowie nach Luxemburg und Holland. Mit dem Trierer Domchor errang er beim Internationalen Chorwettbewerb in Montreux/Schweiz 1966 den ersten Preis.

    Kompositionen: Salvum fac populum tuum, Domine - Tantum ergo, 3stg., i d. Slg. „Singet dem Herrn“, Gregoriusverlag Aachen - Liedkantaten über bekannte Weihnachts- und Marienlieder, Verlag Hans Kessler Trier - Orgelsätze mit Vor- und Nachspielen zum Gesang- und Gebetbuch für das Bistum Trier 1958, Paulinus-Verlag Trier - Lateinische und deutsche Proprien, Mss.

    Schriften und Aufsätze: Joseph Andreas Anschuez (1772-1855), Der Gründer des Koblenzer Musik-instituts, Diss. Bonn 1954. Veröff. in „Beiträge zur rhein. Musikgeschichte“, Köln 1958 Hft. 25 - Der Trierer Choralstreit, in: Musicae sacrae ministerium, Köln 1962 - Trierer Glocken einst und jetzt, eine geschichtliche und klangkritische Studie 1967.

    Schallplatten: Heilig-Rock-Wallfahrt Trier 1959, Musikhaus Kessler Trier - Der Trierer Domchor singt Weihnachtslieder, Hrsg. Trierer Domchor 1966.

    Quelle / Literatur: Bistumsarchiv Trier, Abt. 85, Nr. 2173 - G. Bereths: Beiträge zur Geschichte der Trierer Dommusik 1974, S. 56, 260, 258 u. 322, Schott/Mainz.

    Klaus Fischbach

  • Prof. Dr. h.c. Hermann Schroeder, Domorganist 1958-59

    Dr. Hermann Schroeder
    Der junge H. Schroeder an der Klais-Orgel von St. Martin, Trier

    Geboren am 26. März 1904 in Bernkastel-Kues, gestorben am 7. Oktober 1984 in Bad Orb

    Hermann Schroeder wuchs in einem katholischen, der Musik sehr aufgeschlossenen Elternhaus auf und erhielt mit sechs Jahren Klavier- und mit 11 Jahren Orgelunterricht. Von 1919 bis 1923 besuchte er in Trier das humanistische Friedrich-Wilhelm-Gymnasium und war Mitglied des Trierer Domchores. Nach dem Abitur studierte er 1923-1926 zunächst Theologie am Priesterseminar der Jesuiten (Canisianum) in Innsbruck und belegte nebenher Vorlesungen in Philosophie und Musikwissenschaft. 1926-1930 studierte er an der Musikhochschule Köln Kirchen- und Schulmusik. Seine Lehrer waren Heinrich Lemacher und Walter Braunfels, Komposition, Hermann Abendroth, Dirigieren, Julia Menz, Klavier und Cembalo, Domorganist Prof. Hans Bachem, Orgel, Dominicus Johner, Gregorianischer Choral und Edmund Joseph Müller, Musikpädagogik.

    1930 bestand Schroeder das Staatsexamen für das künstlerische Lehramt - in den Fächern Komposition und Orgel mit Auszeichnung - und absolvierte seine Referendar- und Assessorenzeit am Kölner Königin-Luise-Gymnasium (1930-1938). Gleichzeitig wirkte er als Dozent an der Rheinischen Musikschule und an der Musikhochschule Köln, gründete ein eigenes Kammerorchester und leitete den Kirchenchor St. Joseph in Duisburg (1932-1936), mit dem er die ersten Chorkompositionen in der Praxis ausprobieren konnte (Te Deum für gemischten Chor und Bläser, 1932).

    Schon bald nach dem Studium machte sich Schroeder einen Namen als Komponist, Organist und als Verfasser grundlegender Artikel zur Reform der Kirchenmusik. 1930 wurde in Frankfurt die „Internationale Gesellschaft für Erneuerung der katholischen Kirchenmusik“ (IGK) gegründet und erstmals erregten hier Werke Schroeders die Aufmerksamkeit einer breiteren Öffentlichkeit, neben Werken damals noch unbekannter Komponisten wie Joseph Ahrens, Johann Nepomuk David, Flor Peeters oder Ernst Pepping. Zusammen mit Heinrich Lemacher reiste Schroeder zu Beginn der 1930er Jahre durch das Rheinland und sprach auf Veranstaltungen des Allgemeinen Cäcilien-Verbandes (ACV) zu Fragen einer neuen, zeitgemäßen Kirchenmusik.

    1938/39 war er Domorganist in Trier, 1939 bis zur Einberufung zum Kriegsdienst 1941 Studienrat und Direktor der Trierer Städtischen Musikschule.

    Nach dem Krieg wirkte Schroeder zunächst als Organist und Chorleiter an St. Paulin/Trier (Pauliner Orgelmesse). 1946 wurde er Lehrer, 1948 Professor an der Musikhochschule Köln und unterrichtete dort Tonsatz, Dirigieren, Formenlehre und Musikgeschichte. Auch der Komponist Karlheinz Stockhausen, der laut Schroeder „ein glänzendes Examen“ machte und von ihm zum Kompositionsstudium ermuntert wurde, hatte in Köln während seines Schulmusikstudiums 1951/52 bei ihm Tonsatzunterricht. Schroeder lehrte gleichzeitig auch als Lektor am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Bonn (1946-1972) und war Dirigent des Kölner Bach-Vereins (1946-1961), des Madrigalchores der Staatlichen Hochschule für Musik Köln (1946-1974) und des Rheinischen Kammerchores (1962-1968). 1958-1961 war er Stellvertretender Direktor der Kölner Musikhochschule. Von 1981 bis 1983 hatte er einen Lehrauftrag an der Fachakademie für katholische Kirchenmusik und Musikerziehung Regensburg (seit 2001 Hochschule für Katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik Regensburg) inne.

    Hermann Schroeder war Träger zahlreicher Preise und Ehrentitel: 1941 erhielt er den Kunstpreis des Dresdener Tonkünstler-Verbandes, 1952 den Robert-Schumann-Preis der Stadt Düsseldorf, 1955 den 1. Preis des Orgel-Kompositionswettbewerbs in Haarlem/Holland für die Orgelfantasie O heiligste Dreifaltigkeit und 1956 den Kunstpreis des Landes Rheinland-Pfalz.

    Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn verlieh ihm 1974 die Ehrendoktorwürde (Dr. phil. h.c.). Der Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse (1975) wurde 1982 durch den Europatag in Luxemburg mit der Medaille Mérite Européen ausgezeichnet.

    Seine gemeinsam mit Heinrich Lemacher verfassten Bücher Harmonielehre und Formenlehre der Musik dienten Generationen von Musikstudenten als Einführung in die Musiktheorie, seine Chor- und Orgelwerke finden sich im Notenregal vieler Kirchenmusiker, alle drei Jahre steht seine Musik im Mittelpunkt eines internationalen Orgelwettbewerbs.

    Neben dem Unterrichten und Komponieren bildete die praktische musikalische Betätigung die dritte Säule seines Wirkens, wobei vor allem das Dirigieren von erstklassigen Chören und Orchestern hervorzuheben ist. Unter anderem arbeitete er mit den Sinfonieorchestern des WDR und des SWR.

    Werkverzeichnis von Hermann Schroeder

  • Jodocus Kehrer, Domorganist 1904-1911

    Jodocus Kehrer
    Geb. am 22. August 1855 in Cochem, gest. 28. Oktober 1937 in Koblenz.

    Kehrer studierte an der Kirchenmusikschule Regensburg (25. Kurs, 1899) und wurde 1901 Organist der Trierer Liebfrauenkirche. Als Nachfolger des entlassenen Heinrich Pauli berief man ihn 1904 an den Dom.

    Kehrer hinterließ ein vergleichsweile kleines Œuvre als Komponist (2 Requien, 15 Offertorien und eine Reihe kurzer Orgelstücke), machte sich aber einen Namen als Verfasser musiktheoretischer Schriften, so etwa "Die Kunst des Präludierens, eine systematische Anleitung zum freien Orgelspiel", "Praktische Winke zur Erleichterung des Pedalspiels" oder "Joh. Seb. Bach als Orgelkomponist und seine Bedeutung für den kath. Organisten". In der Tat war er einer der Pioniere bei der Verbreitung Bachscher Orgelmusik im katholischen Gottesdienst.

    Werke:

    • Chor- und Orgelmusik.
    • Schriften als Einzelbände in der Reihe"Kirchenmusik" (Pustet, Regensburg) und Artikel für die Zeitschriften "Im Dienste der Kirche" und "Musica Sacra".

    Quellen:

    • Gustav Bereths: Beiträge zur Geschichte der Trierer Dommusik, Mainz 1974 (mit Werkverzeichnis).
    • Gloria Deo Pax Hominibus - Festschrift zum 100jährigen Bestehen der Kirchenmusikschule Regensburg 1974.


    Josef Still

  • Heinrich Pauli, Domorganist 1892-1904

    Heinrich Pauli, geboren am 23.12.1865 in Münster, Westfalen, Sterbedatum und -ort unbekannt.
    Ausbildung an der Kirchenmusikschule Regensburg (14. Kurs 1888) und
    Kirchenmusiker in Rheine/Westfalen. Pauli wurde am 1.4.1892 Organist am Trierer
    Dom, daneben Klavierlehrer an der Dommusikschule und Gesangslehrer der
    Domchoralen (Zöglinge im Bantusseminar). Nach Hermesdorff und Barthel war Pauli
    wieder ein Domorganist, der nicht dem geistlichen Stand angehörte. Eine neu
    formulierte Dienstordnung ließ Pauli gegenüber den Domkapellmeistern (erst Lenz,
    später Stockhausen) wenig künstlerischen Spielraum. Dieser Umstand gab in der
    Folge zu Mahnungen und schließlich zur Kündigung im Jahr 1903 Anlass. In die
    Amtszeit Paulis fällt die Planung einer neuen Orgel im Dom. Die erst 1837 von
    Heinrich Wilhelm Breidenfeld im Westchor gebaute Orgel war Ende des 19.
    Jahrhunderts zunehmender Kritik unterworfen. Die klangliche Konzeption der
    Nachfolge-Orgel, einem 1899 bei Weigle (Echterdingen) bestellten neuen Instrument
    war weitgehend Paulis Werk. Als Sekretär des Cäcilienvereins im Bistum Trier
    hielt er Vorträge bei Schulungskursen für Kirchenmusiker. 1892 gründete er die
    Zeitschrift "Der Organist" (Schwann-Verlag, Düsseldorf). Pauli wohnte bis 1898
    "In der Olk 34", später in der Petrusstr. 27. Zum letzten Mal spielte er am
    1.4.1904 im Dom die Orgel. Bevor er 1909 nach Elberfeld (heute Stadtteil von
    Wuppertal) umsiedelte, erteilte er in Trier privaten Unterricht in Klavier und
    Harmonielehre.

    Werke:

    • Das praktische Orgelspiel und die Behandlung der Orgel (Paulinusverlag 1893),
    • Gedruckte Orgelkompositionen:
      - op. 4: 25 Versetten f. Orgel (Schwann-Düsseldorf),
      - op. 5: Orgel-Fantasie (Junne-Leipzig).
      - Kurze Vor- u. Zwischenspiele (Grach-Trier).

    Quellen:

    • Gustav Bereths: Beiträge zur Geschichte der Trierer Dommusik. Mainz 1974.
    • Gloria Deo Pax Hominibus - Festschrift zum 100jährigen Bestehen der Kirchenmusikschule Regensburg 1974.
    • Riemann - Musiklexikon 1929 II 1356.


    Josef Still

  • Wilhelm Stockhausen, Domkapellmeister 1900-1934

    Wilhelm Stockhausen

    Artikel über Stockhausen von Dr. Wolfgang Hoffmann

  • Michael Hermesdorff, Domorganist von 1862 bis 1884, Choralforscher

    geb. 4. März 1833, gestorben 18. Januar 1885 in Trier. Seit früher Jugend von seinem Bruder Matthias (1820 bis 1879), Organist an St. Gangolf, praktisch und theoretisch in der Musik unterwiesen, spielte er als Zehnjähriger im Gottesdienst Orgel und war 1852 bis 1855 in Ettelbrück (Luxemburg) als Organist, Gesanglehrer an den Primär- und Höheren Schulen und als Leiter des Männerchores sowie des Musikvereins tätig. 1855 Beginn der theologischen Studien am Priesterseminar Trier. 1859 Priesterweihe. 1859 bis 1862 Kaplan in Cues und Bernkastel. 1862 Domorganist, Dommusikdirektor und Gesanglehrer am Priesterseminar in Trier. 1869 gründete er den Diözesan-Cäcilienverein Trier und 1872 den Verein zur Erforschung alter Choralhandschriften. 1872 bis 1878 Schriftleiter der (1862 von Heinrich Oberhoffer begründeten) Kirchenmusik-Zeitschrift “Cäcilia”. 1875 bis 1885 ordentliches Mitglied der Gesellschaft für Musikforschung. 1884 Ernennung zum Domvikar.

    Hermesdorff wuchs in einer Zeit kirchenmusikalischer Reformen auf, die in Trier etwa 1845 begannen. Während der Übergang von der Instrumentalmusik zur A-cappella-Musik, den Hermesdorff durch Kompositionen und Herausgabe von Motetten und Messen (siehe  Werkverzeichnis) unterstützte, sich ohne Schwierigkeiten vollzog, entbrannte in Choralfragen ein heftiger Streit, der über fünfzig Jahre dauern sollte.  Die Choraltradition des Bistums war äußerst unterschiedlich. In den Pfarrkirchen benutzte man die verschiedensten Choralfassungen und Ausgaben. Nur in der Domkirche, in der man aus alten handgeschriebenen Folianten sang, pflegte man konstant den sogenannten "Trierischen” Choral, den Hermesdorff als Seminarist gründlich kennenlernte und dem er sein ganzes Interesse zuwandte. 
    Im Auftrag des Bischofs begann er 1859 in Cues mit der Herausgabe handlicher Chorbücher des Trierer Chorals.  In Trier (Dombibliothek und Stadtbibliothek) und Cues (Bibliothek des Nikolaus von Cues) standen ihm viele wertvolle Choralhandschriften (zum größten Teil aus der Zeit vor dem 16.  Jahrhundert) zur Verfügung.  In unermüdlicher und gründlicher Arbeit gab er in knapp fünf Jahren Graduale, Praefationes und Antiphonale (über 1000 Seiten) in Druck.  In Zweifelsfragen orientierte er sich an Lambillottes Facsimile-Ausgabe von 1851.

    In der Vorbemerkung zum Graduale sowie in verschiedenen Briefen legt Hermesdorff seine Auffassung des Choralrhythmus dar, die im Grunde mensuralistisch, jedoch durch Notation und Vortragsregeln zum Äqualismus hin abgemildert ist. Der Satz aus dem Vorwort zu den “Präfationes”, “dass nach traditionellem Gebrauche die Tonstufe fa-sol in den Kadenzschlüssen als halbe gesungen wird", führte in der Diözese Trier zu einer Jahrzehnte lang üblichen willkürlichen Anwendung.

    Drei Jahre arbeitete Hermesdorff an der “Harmonia cantus choralis", einer vierstimmigen Harmonisierung großer Teile der liturgischen Bücher für Orgel oder gemischten Chor (Satz: Note gegen Note; harmon. Mittel: Dur- und Molldreiklang mit Umkehrungen, hin und wieder ein Dominantseptakkord). In der gleichen Art sind auch "Missa pro defunctis”, "Zweite Vesper am hl. Fronleichnamsfeste”, “Lamentationes" und "Gesänge zur Prozession” gesetzt. (Requiem, Te Deum und Lamentationen werden hier und dort heute noch gesungen.)

    Hermesdorffs Schriften dienen entweder praktisch-musikalischen Anliegen oder der Choraltheorie. 

    Die Tätigkeit Hermesdorffs galt bis 1871 ganz seinem Bistum Trier. Von 1872 an erstreckte sich sein Einfluss auf ganz Deutschland und darüber hinaus. Schon bei den Arbeiten am "Trierischen” Choral war er zu dem Resultat gekommen, dass Handschriften aus den verschiedensten Gegenden vor dem 16.  Jahrhundert fast völlig übereinstimmen, dass es einen spezifisch “Trierischen” Choral nicht gibt, dass dieser vielmehr authentischer Gregorianischer Gesang ist, wie ihn alle älteren Codices enthalten. Lediglich die “germanische” Melodiefloskel (für die er noch keine Erklärung fand) erkannte er als Eigenheit norddeutscher Diözesen (Trier, Köln, Mainz, Münster, Hildesheim). Als sich 1869, ausgelöst durch die Vorbereitungen zum Druck der Regensburger Ausgabe, der Meinungsstreit um den ursprünglichen Choral auf ganz Europa ausdehnte, konnte Hermesdorff, bestärkt durch seine Forschungsergebnisse, maßgebend gegen die "Medicaea” eintreten.
    Um gründliche Arbeit und eine Zusammenfassung aller Kräfte zu ermöglichen, bat er R. Schlecht (Eichstätt) u. a. bei der vergleichenden Choralforschung mitzuwirken. Schlechts Vorschlag, die Form “Verein zur Erforschung alter Choralhandschriften” zu wählen, akzeptierte er und übernahm den Vorsitz.  Die "Cäcilia” wurde Vereinsorgan. Die “Choralbeilagen für die Mitglieder des Choralvereins” dienten zur Veröffentlichung des eingegangenen Vergleichsmaterials und der Behandlung choralwissenschaftlicher Fragen.
    Die Anmeldungen und das Vergleichsmaterial der Mitglieder waren und blieben jedoch (obwohl Gevaert, A. Schubiger, Dom Pothier, E. de Coussemaker und andere mehr dem Verein beigetreten waren) spärlich.  Während Hermesdorff zunächst, im wesentlichen nur von R. Schlecht unterstützt, mit doppeltem Eifer an die Arbeit ging, stellten sich ihm allmählich Hindernisse entgegen, die er nicht mehr überwinden konnte. Der Kulturkampf traf ihn empfindlich; er musste zusätzliche Aufgaben übernehmen (Dom- und Bistumsrendantur, Seelsorghilfe in Pfarreien u. a. m.), die finanziellen Mittel wurden knapp; zudem ließ seine Gesundheit, die an sich schwach war (er litt an einer Verkrümmung der Wirbelsäule), mehr und mehr nach.
    Trotz allem begann er 1876 mit der Herausgabe seines wichtigsten Vorhabens, des "Graduale ad normam cantus S. Gregorii” als Forschungsresultat des Choralvereins.  In diesem Werk wollte er nur mehr die authentischen Melodien veröffentlichen; andere Fragen wie die des Rhythmus, der Notation und des Vortrages stellte er bewusst zurück.  Das Werk enthält über den Choralnoten die ursprünglichen Neumenzeichen (für deren Druck er ein "Sparsystem” aus 17 zusammensetzbaren Typen entwarf und eigenhändig für den Guss in Bleikegel schnitt). 1878 konnte
    Hermesdorff die “Cäcilia” nicht mehr halten. Böckelers “Gregoriusblatt" trat an ihre Stelle. 
    Die Lieferungen des Graduale folgten in immer größeren Abständen, und mit der
    XI. Lieferung (bis Alleluja vom 4. Sonntag nach Ostern), 1882, blieb das Werk
    unvollendet. Beim Internationalen Kongress für liturgischen Gesang in Arezzo (1882) fehlten alle namhaften Mitglieder des Choralvereins (Hermesdorff, obwohl er deutscher Vertreter in der vorbereitenden wissenschaftlichen Kommission war, aus gesundheitlichen Gründen). Trotzdem war Hermesdorff davon überzeugt, dass seine Mühen sich gelohnt hätten, und er glaubte, auch in seiner Diözese die Verantwortlichen für den authentischen Choral gewonnen zu haben. Von einer schweren Krankheit Anfang 1884 erholte er sich nicht mehr (führte aber trotzdem die “Choralbeilagen” bis zu seinem Tode weiter).

    Erst zwanzig Jahre nach seinem Tode erschien die erste vatikanische Ausgabe; in seiner Diözese wurde noch 1888 die "Medicaea” eingeführt.
    Hermesdorff hat in deutschen Landen die Choralforschung am weitesten vorgetrieben und ohne Zweifel wesentliches zur Choralreform beigetragen. Seine Arbeiten in Ruhe vorzunehmen und zu vollenden, versagten ihm die Wirrnisse seiner Zeit. Ein anderer führte sein Werk zu Ende: Peter Wagner, der 1876 bis 1885 sein Schüler war und in einem Brief (v. 30. 5. 1886) an die Verwandten Hermesdorffs schreibt: “ ... Habe ich doch alles, was ich in musikalischen Dingen mein Eigen nennen kann, ich meine nicht nur Kenntnisse, sondern auch Bücher etc.  Ihnen zu verdanken. Ihr seliger Onkel, der mich immer vor seinen übrigen Schülern bevorzugte, hat das Fundament zu meiner musikalischen Bildung gelegt.”, “0 daß er noch das Glück haben würde, dem Leichenzuge des Regensburger Chorales zuzusehen!” (Brief v.13. Mai 1886).

    Werke: 

    1. Choralausgaben: 
    “Graduale juxta usum Eccl. Cath. Trevirensis” Trier, 1863; "Praefationes in cantu Trevirensi" Trier, 1863; “Antiphonale juxta usum Eccl. Cath. Trevirensis” Trier, 1864; "Kyriale" (nach Hss. d. 13. bis 15. Jahrh.) Trier, 1869; “Graduale ad normam cantus S. Gregorii” (in Lieferungen) Leipzig, 1876 bis 1882 (nach 11.  Lieferung abgebrochen).

    2. Schriften und Aufsätze: 
    “Gesangschule” (f.  Kirchenchöre u. Schulen; verf. u. hrsg.) Trier, 1874; 2. Aufl. 1879; "Micrologus Guidonis de disciplina artis musicae” (übers. u. hrsg.) Trier, 1876; "Der Accentus der Trierischen Kirche nebst einigen Gesängen, die dem Priester unentbehrlich sind” (Einführung in alle Priestergesänge) Trier, 1884; “Epistola Guidonis Michaeli monacho de ignoto cantu directa” (Anweisung z. Blattsingen kirchentonaler Gesänge; übers., erkl. u. hrsg.) Trier, 1884; In der “Cäcilia" (Trier): "Über das Verhältnis des katholischen Choralgesanges zu der jüdischen Tempelmusik, sowie zu dem Tonsysteme der Griechen” XI.  Jg., 1872, S. 2 ff., 11 ff., 19 f., 28 f. u. 36 f.; "Über die Erscheinung der Aliquot-Töne in ihrer Bedeutung für das Verständnis des alten und neueren Tonsystemes” XI.  Jg., 1872, S. 5 f., 13 f., 20 ff., 29 ff., 44 ff., 49 ff., 60 ff., 68 ff., 75 ff., 85 f., 93 ff.; XII.  Jg., 1873, S. 5 f., 20 f., 30, 36 ff., 52 ff., 60 f., 67 f., 76 ff.; “Für Anfänger und Dilettanten, Elementar-Theorie der Musik” (Allgem.  Musiklehre:) XI.  Jg., 1872, S. 7, 14 f., 22 f., 31, 38, 46 f., 54 f., 63, 77 f., 87; XII.  Jg., 1873, S. 7, 14, 22, 31, 38 f., 45 f., 54 f., 87, 94; XIII.  Jg., 1874, S. 15 f., 30 f., 39, 47, 55, 63, 71; (Grundzüge der Harmonielehre:) XIV.  Jg., 1875, S. 7, 14, 21 f., 29 f., 37 f., 45 f., 53 f., 61 f., 69 f., 77 f., 85 f.; XV. Jg., 1876, S. 6 f., 30 f., 38 f., 62 f., 71, 78 f., 86 f.; XVI. Jg., 1877, S. 7, 55, 63, 70 f., 78 f.; XVII.  Jg., 1878, S. 55, 63, 71 (abgebrochen); “Der hl.  Ambrosius und sein Wirken für den christlichen Kirchengesang” XI.  Jg., 1872, S. 57 ff., 65 ff., 73 ff., 82 ff., 91 ff.; XII. Jg., 1873, 5. 3 ff., 11 ff.; “Die Schriften Guido's von Arezzo” (Epistola Guidonis Michaeli monacho:) XII. Jg., 1873, S. 17 ff., 27 ff., 33 ff., 43 ff., 49 ff., 57 ff., 65 ff.; (Micrologus:) XIV. Jg., 1875, S. 1 ff., 11 ff., 19 f., 27 ff., 35 ff., 43 ff., 50 ff., 58 ff-, 65 ff-, 75 ff., 83 f., 90 ff.; XV. Jg., 1876, S. 3 ff., 11 ff., 19 ff.; "Der Cäcilienverein und die offizielle Ausgabe des römischen Chorals” XII.  Jg., 1873, S. 41 ff.; “Über das Intonieren der Choralgesänge” XII.  Jg., 1873, S. 81 ff., 92 ff.; “Über die hohe Bedeutung der kirchlichen Tonkunst” (Rede) XII.  Jg., 1873, S. 84 ff.; "Eine Stimme aus dem 5. Jahrhunderte über den Vorzug des geistlichen Gesanges vor der weltlichen Musik” XIII.  Jg., 1874, S. 21 ff.; "Zur Charakteristik der Choraltonarten” XIII. Jg., 1874, S. 28 ff., 33 f., 41 f., 49 f., 57 f., 65 f., 90; “Lebensskizzen berühmter Männer auf dem Gebiete der kirchlichen Tonkunst” XIV. Jg., 1875, S. 25 f. (Pythagoras, König David), 33 f. (Ambrosius, Prudentius, Sedulius, Elpis), 41 ff. (Fortunatus, Nicetius, Gregor d. Gr.), 57 f. (Cassiodor, Isidor v. Sp.), (nicht fortgesetzt); "Zum Graduale ad normam St. Gregorii” XIV.  Jg., 1875, S. 93 f; XV. Jg., 1876, S. 5 f., 14, 22; "Das Antiphonarium St. Gregorii” XV. Jg., 1876, S. 29 f., 37 f., 45 f., 53 f., 61 f., 68 ff., 77 f., 85 f., 93 f.; XVI.  Jg., 1877, S. 5 f., 13 f., 77 f., 85 ff., 93 f.; XVII. Jg., 1878, S. 5 ff., 13 f., 21 f., 29 ff., 37 ff.; "Erklärungen zur Beilage” (in allen Nummern); “Vermischte Nachrichten” (in allen Nummern); In den “Beilagen für die Mitglieder des Choralvereins" (1872 bis 1884): "Zum Ordinarium Missae” 1879, Nr. 3 bis 1884, Nr. 12; "Über die Melodie der Litanei von Allen Heiligen” 1882, Nr. 3 bis Nr. 9; “Über die außer Gebrauch gesetzten Choral-Melodien” 1883, Nr. 1 bis 1884, Nr. 12, Kurze Besprechungen vieler einzelner Choralgesänge. 

    3. Kompositionen und Herausgaben: 
    “Missa pro Soprano, Alto Tenore et Basso conjuncta Organi voce”, Op. 1 der Messen, Trier, o. J.; "Polyphone Messe in B” Trier, 1861; "Harmonia cantus choralis”, Bd. 1 (Kyriale sive Ordinarium Missae) Trier, 1865; Bd. 2 (Hymnarium) Trier, 1866; Bd. 3 (Cantus Introitus) Trier, 1866; Bd. 4 (Vesperale) Trier, 1867; Bd. 5/6 (Cantus Alleluja, Tractus, Sequentiae et Offertoria) Trier, 1867; Supplementband (Praefationes et Pater noster) Trier, 1868; “Zwölf Motetten alter Meister als Offertorien für die Hauptfeste des Jahres, in leichtem Arrangement frei bearbeitet” Trier, 1870; "Missa pro Defunctis für vier Männerstimmen harmonisiert” Trier, 1871; "Gesang- und Gebetbuch der Diözese Trier” (veränd. u. verb. Ausg. dess. v. 1846) Trier, 1871; "Zweite Vesper am hl.  Fronleichnamsfeste für gemischten Chor” Trier, 1872; "Gesang- und Gebetbuch der Diözese Trier” für vier Singst. od.  Org. bearb.) Trier, 1872; "Missa quatuor vocum super canto Romano a. P. Heredia Romano (1635)” (rev. u. hrsg.) Trier, 1873; “Missa Sacerdotes tui” (f. vier gem. Stimmen komp. u. hrsg.) Trier, 1874; “Zwölf kirchliche Gesänge” (Originalkomp. lebender Meister; darunter v. Hermesdorff: “Joseph, fili David” u. “Justorum animae”) Trier, 1877; "Zehn kleinere Orgelstücke nebst einer Fuge für volles Werk” Trier, 1878; “Lamentationes” (f. vierst.  Männerchor bearb. u. hrsg.) Trier, 1880; "Gesänge zur Prozession am hl. Fronleichnamsfeste” (f. gem. Ch. u. Männerchor) Trier, 1882; 2. Auflage des Werkes "Sammlung ausgezeichneter Kompositionen für die Kirche” v. Stephan Lück (Trier, 1859) Leipzig, Bd. 1 u. 2 1884, Bd. 3 1885, Bd. 4 (hrsg. v. Heinrich Oberhoffer) 1885; Ungedruckt: "Messe für Männerchor in C”, “Instrumentalmesse in D”, “Instrumentalmesse in F”, "Regina coeli” f. vierst. gem. Ch., zahlreiche Motetten u. Liedsätze, (meist aus der Zeit in Ettelbrück). 

    Literatur: 
    "Michael Hermesdorff und der Trierische Choral”, (Jahresarbeit des Seminaristen) Dom.  Johnen, ungedruckt, Trier, 1942; "Beitrag zur Musikgeschichte der Diözese Trier", v. P. Bohn, ungedr., Trier (Stadtbibl.); "Cäcilia” Organ für kath. Kirchenmusik (Trier), Jg. 1872 bis 1878; "Choralbeilagen für die Mitglieder des Choralvereins" 1872 bis 1878 (zur “Cäcilia"), 1879 bis 1884 (zum "Gregoriusblatt”); Hermesdorffs Werke.

    Quellen: 
    Briefe Hermesdorffs an R. Schlecht (Diözesanarchiv Eichstätt/Bayern); Briefe Hermesdorffs an versch. Adress. (Archiv d. Erzabtei Beuron/Donau); Versch. Briefe u. Dokumente (i. Besitz d. Herrn A. Gracher, Trier, Hauptmarkt). Gustav Bereths: Beiträge zur Geschichte der Trierer Dommusik. Mainz 1974 

    Hans Lonnendonker

  • Peter Josef Pletz, Domorganist 1793-1809

    Domorganist und Konzertveranstalter in Trier

    Geboren in Koblenz-Ehrenbreitstein im Januar 1763, gestorben am 12.6.1809 in Trier. Pletz genoss eine exquisite Ausbildung am kurtrierischen Hof in Koblenz bei Hofkapellmeister Pietro Pompejo Sales, Konzertmeister Joh. Georg Lang und Hoforganist Daniel Hünten. 1793 wurde er Domorganist in Trier. Das Amt konnte er zunächst nur kurze Zeit ausüben, da 1794 beim Einzug der Franzosen der Dom zweckentfremdet und beide Orgeln ruiniert wurden. Als er am 17.8.1795 in der Gangolfkirche Catharina Schmitz aus Trier heiratete, waren die Domgottesdienste in die benachbarte Liebfrauenkirche verlegt. Da seine Einkünfte zu dieser Zeit unsicher waren und teilweise aus Naturalien (Wein, Korn) bestanden, versuchte er, als Konzertveranstalter ein zuverlässigeres Auskommen zu haben. Schon vor der Französischen Revolution gab es in Trier wöchentliche Konzerte in Sälen von Gastwirtschaften und im Krämersaal (Krämeramtsbau, 1775 errichteter Bau der Trierer Kaufmannschaft in der Fleischstr. 13; 1906 abgerissen). In der französischen Besatzungszeit nach 1794 blühte das Konzertleben weiter auf. Als Konzertorte kamen das Theater in der säkularisierten Kapuzinerkirche (Fahrstraße) und die von den Franzosen in "Dekadensaal" umbenannte Promotionsaula des Priesterseminars hinzu. Ein weiterer geschickter Trierer Konzertveranstalter war Joseph Garisch. Die Situation im Dom verbesserte sich für Pletz im Jahr 1802, als Bischof Mannay den Kirchenraum wieder in Ordnung brachte und die Stumm-Orgel aus dem säkularisierten Agnetenkloster (Weberbach) als Chororgel in den Dom kam. Ab 1807 wurde die aus dem ebenfalls aufgehobenen Kloster Himmerod stammende Orgel im Trierer Dom aufgebaut; daß Pletz sie noch spielte, ist unwahrscheinlich, da sie offenbar erst 1812 richtig funktionsfähig war. Von Pletz sind eine Reihe von Kompositionen (ungedruckt) für Chor und Orchester im Bistumsarchiv Trier erhalten: eine Litanei, ein Te Deum und das Osteroffertorium "Sepulcrum Christi viventis". Eine Klaviersonate und ein Klavierkonzert sind verschollen.

    Literatur: Gustav Bereths: Beiträge zur Geschichte der Trierer Dommusik. Mainz 1974. Bereths, Gustav: Musikchronik der Stadt Trier Bd.1, Mainz 1978. Die weltl. Kunstdenkmäler der Stadt Trier (Ms. ca. 1940, Bistumsarchiv)

    Josef Still

  • Joseph Torner, Domorganist um 1760

    Joseph Torner, geb. um 1700 im Luxemburgischen (?); gest. 8. Mai 1762 in Trier. Über Torners frühe Lebensumstände ist nichts bekannt. 1724, anlässlich der Taufe eines Sohnes, findet sich sein Name erstmals in Trierer Kirchenbüchern als „expertissimus D.(ominus) Joseph Torner organista summi templi“. Er spielte im Dom an der neuen Orgel, ausgeführt durch Johann Nollet 1724/25 (Disposition). Im Trierischen Hof-, Staats- und Stands-Calender von 1760 rangiert er nicht nur als Domorganist, sondern „auch zur Lieben Frauen und in der St. Gangolphi Pfarr-Kirchen Organist". Torner bekleidete diese Ämter bis zu seinem Tod; sein Nachfolger am Dom wurde Mathias Kenner.
    Werke:
    „ABC per tertiam Majorem“, Mainz um 1734. P. Ernst Kolborn 0. P. (gilt als verschollen);
    „ABC per tertiam Minorem“, Augsburg um 1735, Johann Christian Leopold. Da der Augsburger Druck „opus quartum“ genannt ist, müssen noch zwei Werke vorausgegangen sein.
    Torner steht als Komponist in einer Reihe mit zahlreichen süddeutschen Kleinmeistern seiner Zeit. Seine bekannten Kompositionen für die Orgel sind dreisätzige Zyklen für den katholischen Gottesdienst, bezeichnet als Offertorium, Elevatio und Communio. Französischen Vorbildern folgend, verwenden sie gefällige klavieristische Passagen und konzertante Elemente, in den langsamen Mittelsätzen auch weitgespannte Solomelodien. Zweiteiligkeit der Sätze, Charakter und Satzbezeichnungen deuten auf die Nähe der Suite. Gemäß den zeitgenössischen Gepflogenheiten der Orgelkomponisten des süddeutschen Raumes, vier Vorzeichen in der Regel nicht zu überschreiten, verwendet Torner die Tonarten a-, h-, c-, d-, e-, f-, g-Moll sowie A-Dur. Die Tempofolge innerhalb der Zyklen ist: schnell (Allegro, Presto) - langsam (Adagio, Un poco Andante, Grave) - schnell (Presto - Vivace - Allegro).
    Den liturgischen Stücken sind im Druck Toccaten, Tanzsätze und andere „eingerichtete Curiositaeten“ angefügt (u.a. Glockenspiel und Marsch). Sie sind tonartlich in drei Gruppen geordnet (C-, B-, F-Dur) und mit Gattungsbezeichnungen versehen.
    Das ABC per tertiam Minorem steht in der Tradition zyklisch angelegter Werke süddeutscher Orgelkomponisten (vgl. Werke von J.C. Kerll, G. Muffat, F.X.A. Murschhauser, J.C.F. Fischer, C. Kolb, u.a.). Unterschiede Torners zu den Sammlungen vieler Vorläufer und Zeitgenossen sind zu sehen in seinem Abrücken von der verbreiteten (zunächst für die Alternatimpraxis bestimmten) Versettenkomposition (mit Praeambeln und Finali) sowie von kontrapunktischen Techniken, namentlich dem Fugenprinzip. Diese wurden im süddeutschen Raum auch noch gepflegt, als die Versettenkomposition allmählich vom galanten Stil erfasst wurde. Weitere „moderne" Züge im Stil Torners stellen der Einbezug von Lied- und Tanzsätzen in die Orgelkomposition dar (Torner bezeichnet die Stücke des ersten Teils als „Cantilenae“ sowie die bisweilen langgezogenen, „empfindsamen“ Melodielinien in den Elevatio-Sätzen. Verschiedene Elemente wie etwa die Zweiteiligkeit nahezu aller Sätze verweisen auf eine Nähe zum Suitensatz. Die Zyklen des ersten Teils weisen bei konstanter Länge der Einzelstücke (zwei Seiten Umfang) eine relativ einheitliche formale und charakterliche Gestaltung auf.

    Ausgaben:

    • Auswahl aus dem „ABC per tertiam Minorem" hrsg. v. R. Ewerhart, Mainz, Schott (Denkmäler mittelrheinischer Musik).
    • „ABC per tertiam Minorem" komplett, 2 Bände, Butz, Sankt Augustin 1997, Verl.-Nr. 1509 und 1510, herausgegeben von Hans-Peter Bähr

    Literatur:

    • Rudolf Ewerhart (Artikel „Musik in Geschichte und Gegenwart“)
    • Hans-Peter Bähr (Vorwort Butz-Ausgabe)
    • Eitner Quellenlexikon; G. Frotscher, Geschichte des Orgelspiels u. der Orgelkompos.; H. Klotz, Niederländische Orgelbaumeister am Trierer Dom (in „Die Musikforschung“ II, 1949 S. 36-49); M. Blindow, Jean Nollet u. seine Orgelbautätigkeit im Trierer Dom (in „Kurtrierisches Jahrbuch“, Trier 1964); Artikel Orgelmusik in MGG.
    • Gustav Bereths, Beiträge zur Geschichte der Trierer Dommusik, Mainz 1974, S. 81 f. (Beiträge zur mittelrheinischen Musikgeschichte 15)

    Josef Still