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Ein Zeitschriftenartikel aus dem Jahr 1949 von Hans Klotz

Niederländische Orgelbaumeister am Trierer Dom

Jan Pieterszoon Sweelinck, das Haupt der altniederländischen Organistenschule, amtierte zu Amsterdam an der „Oude Kerk“, der Alten Kirche. Dort verfügte er über zwei Orgeln, eine große und eine kleine; die große wurde erbaut 1539/42 von Johan van Coblents und dessen Schüler Henrick Niehoff, während die kleine 1544/45 von Henrick Niehoff und Jaspar Johanson erstellt wurde. Beide Orgeln verkörpern den Orgeltyp der nordbrabantischen Schule des 16. Jahrhunderts, und ihre Meister sind die Begründer und Häupter dieser Schule. Die niederländische Orgelbaukunst kennt außer der nordbrabantischen noch die südbrabantische, die flämische und die Utrechter Schule. Diese vier Schulen sind einander sehr ähnlich - trotz charakteristischer Verschiedenheiten in Einzelheiten - und schließen sich gut zu einer höheren Einheit zusammen. Diese höhere Einheit der „Niederländischen Orgelbaukunst des 16. Jahrhunderts" erscheint in der nordbrabantischen Schule am umfassendsten und am ausgereiftesten. Die niederländische Orgelbaukunst des 16. Jahrhunderts ist führend: ihre Vertreter werden häufig an bedeutende Kirchen Deutschlands, Frankreichs und Spaniens gerufen, um dort Orgelneu- oder -umbauten durchzuführen. Nach Deutschland kamen vor allem die Meister der nordbrabantischen Schule. Eine solche bedeutende Kirche Deutschlands ist der Dom zu Trier.

Peter Breissiger 1537

Der Trierer Dom besitzt schon früh eine Orgel. In den Jahren 1387/88 werden umfangreiche Arbeiten an ihr vorgenommen. Über ihre Beschaffenheit im einzelnen erfahren wir kaum etwas. Dann schweigen die Akten wieder bis zum Jahre 1537. In diesem Jahre wird mit Meister Peter Breissiger von Saffych, Schöffe und Bürger von Koblenz, ein größerer Um- und Erweiterungsbau der Orgel vereinbart. Wir können Meister Peter nicht als niederländischen Orgelbaumeister ansprechen. Dennoch sehen wir uns seine Arbeit im Trierer Dom näher an, denn er ist, wie wir noch sehen werden, mit der Geschichte der niederländischen Orgelbaukunst - besonders der brabantischen - recht eng verflochten.

Über die Beschaffenheit der Trierer Domorgel von 1537 sind wir durch den Vertrag mit Meister Peter und durch eine ausführliche Registrieranweisung unterrichtet, die Breissiger nach Vollendung des Werkes schriftlich niedergelegt hat. Aus der Registrieranweisung erfahren wir, wie die Registerzüge im Spielschrank angeordnet waren, erfahren daraus aber auch, daß die Disposition der Orgel während des Baues in einigen Punkten gegenüber dem Vertrag geändert wurde. In dem Vertrag, den Peter Breissiger im Jahre 1537 mit dem Domkapitel von Trier schließt, finden sich folgende für uns wichtige Stellen:

„Item, zum ersten soll unnd wyll der itzgenant meyster uff syn sorge, angst, kosten unnd beloenungh laessen bereyten unnd machen in das obgenante werck, wylchs von zwoylff fuesen ist, eyn außerkyrntte, woellversoirgte nuwe laede, dairuff man moege setzen nu heneforter eyn werck von seszehen fuessen mytt aicht underscheydttlichen registern, nemelich: Item eyn nuwe koppell von seszehen fuessen durch pedaell und manuall vorn im gesichtt von solicher materien oder gezueg, reyne mytt folien ubberzienet, wye es vurhinen bereyt ist gewest. Item eyn octave von aicht fuessen durch pedaell unnd manuaell. Item eyn guede stairck location oder mixtuer in form und maessen, wye itzundes dye alte location in ihrer styrk und satzung erfunden wyrtt. Item eyn guede stairck zymbell durch pedaell und manuaell. Item eyn hoellpieffen baß von aicht fuessen im gelued. Item eyn reynen bosunen baß von aicht fuessen in der lengd, der glychen auch im gelued, wylcher montstueck von messyngen zueg, mytt sylber soldiertt, die corpora von isenem blech, oben auf ubberzienet unnd uffs best zugericht sollen werden. Item eyn schoen weydelich nachthorn im discant im drytten hmi angaehent byß oben auß von zweyundzwenzich clavibus. Item derglychen eynen reynen woelluedenden zyncken, oben vom obbersten La an byß unden herab ubber das drytt hmi als fern es moegelich. Item eyn durchdryngendt, werckmessig throm, zu trompeten, schalmeyen swegeln oder zwerchpieffen dynstbaer unnd woellgestimpt. Item es ist wyters berydtt, das der meyster soll unnd wyll machen uff syn soirge unnd kosten noch eyn nuwe laede zu andern nachbenanten stymmen mytt aicht registern unnd eynem sunderlichen clavier, oben ins werck oder hynden zuruck, wye das den erstgenanten hern vom dhoim gefallen unnd gelieben wyll. Item eyn quinttadeyn von aicht fuessen im geluede. Item eyn koppell von vyer fuessen. Item eyn octave von eynem fueß. Item eyn schayrff zymbell. Item eyn hoelpieff von vyer fuessen im gelued. Item eyn fleut von zweyen fuessen. Item eyn schalmeyenwerck von vyer fuessen unnden im clavier angaendtt byß oben auß, des sollen die montstuck auß messyngen zueg myt sylber soldiertt, die corpora mytt isenem plech ubberzienett unnd woell versoirgtt werden. Item eyn schon wytt schallendtt zwerchpieff, wye sich dye in solich werck zu setzen gepoirtt. Item, es ist auch vertraegen, das der meyster soll machen zwey nuewer clavier, eyns zum principaellwerek wylches soll haben vunff fa unnd eyn perfekt tercien dair boeben, das ander zum positive, soll inhaeben vyer fa unnd eyn vollenkommendt tercien dairboben. Item soll der Meyster auch machen eyn nuewe pedaell von sechszehen schemellen, uff diesen nuewen sirtt, des soll das principaell clavier dermaessen angehangen syn, dairmit das werck manualiter unnd pedaliter sy zu geprauchen.“

Es handelt sich offenbar um ein klanglich und technisch kunstvolles Instrument mit zwei Manualen - Prinzipalwerk und Positiv - und Pedal. Das Prinzipalwerk reicht vom Kontra-F bis zum zweigestrichenen a, das Positiv beginnt erst beim großen F und reicht ebenfalls bis zum zweigestrichenen a. Aus dem Vermerk, das Nachthorn solle von klein h bis a" 22 Töne haben, geht hervor, dass das gis" fehlt, wie es damals üblich war. Wir dürfen weiterhin annehmen, dass auch Kontra Fis und -Gis bzw. - im Positiv - groß Fis und Gis fehlen, was damals ebenfalls üblich war. Das Pedal würde danach bei 16 Tasten von F bis b reichen, ein damals gebräuchlicher Umfang.

Im Vertrag ist bestimmt, dass die Pfeifen auf Kontra F und groß F 16'-, 8'-, 4'-, 2'- und 1'-Länge und -Klang haben sollen: Taste F soll also klingen wie sonst Taste C. Diese Stimmung der Orgel würden wir nach heutigem Orchestergebrauch eine G-Stimmung nennen; sie wurde schon 1511 von Arnold Schlick in seinem „Spiegel der Orgelmacher und Organisten" empfohlen. Mit ihr wird erreicht, dass Umfang und Tonhöhe des Pedals der mittleren Menschenstimme entsprechen. Die großen Orgeln hatten damals, bei der Durchführung der gregorianischen Gesänge mit der Kantorei am Altar Vers um Vers zu alternieren und spielten dabei den c. f. oft im Pedal. Bei der Schlickschen Orgelstimmung konnten Sänger und Organist bequem in der gleichen Tonlage singen bzw. spielen.

Der Manualumfang ab Kontra-F ist ungewöhnlich. Wir finden ihn später bei den nordbrabantischen Orgelbauern, aber auch bei den norditalienischen Meistern sehr häufig. In ihm haben wir ein erstes Bindeglied zwischen Peter Breissiger und dem niederländischen Orgelbau.

Betrachten wir uns die Skizze vom Spielschrank der Breissigerorgel, die nach den Angaben der Registrieranweisung hergestellt ist; es sind dabei die von Schlick angegebenen Maße für Tastenlängen usw. benützt.

Die Registerzüge zum Prinzipalwerk und zum Pedal liegen unter dem Notenpult; im herausgezogenen Zustand waren sie abgeschaltet: wollte man sie „ziehen", so mußte man die Manubrien hineinstoßen. Bei den Registerzügen des Positivs ist es verwickelter: 12, 14, 16 und 18 mussten hineingestoßen werden, um „gezogen" zu sein, 13, 15, 17 und 19 dagegen wurden, wie später üblich, herausgezogen. Bei den Registerzügen für Prinzipalwerk und Pedal fällt auf, dass es elf an der Zahl sind, während der Vertrag nur acht Register für Pedal und Manual angibt. Dieses Problem der drei überzähligen Züge wird sich uns alsbald bei der Beschreibung der einzelnen Register lösen.

 

 

Koppel 16' durch Pedal und Manual
„Koppel" ist ein alter Name für „Prinzipal", wie uns Schlick unterrichtet. Das Wort „Koppel" bedeutet „Zusammenfassung". Die erste Pfeifenreihe, die man zu einem Register zusammenfasste, war eben das Prinzipal. Statt der im Vertrag 1537 vorgesehenen Koppel hat Breissiger eine Quintaden 16' gebaut, wahrscheinlich ebenfalls im 16'-Ton. Der Ausdruck „durch Pedal und Manual" bedeutet „durchs ganze Manual geführt mit einer Transmission ins Pedal". Man konnte demnach die Quintaden für das Pedal einschalten, ohne dass sie im Manual erklang. Dazu waren zwei Registerzüge nötig. Wir haben damit den ersten überzähligen Registerzug erklärt.

Es ist hier noch eine Zwischenbemerkung zu machen. Die Quintaden 16' ist gar keine Quintaden 16' im gewöhnlichen Sinn. Sie ist mehr: sie ist eine Quintaden 16' und 8' zugleich. Die Klaviatur des Prinzipalwerks hat im Baß eine Oktave mehr als sonst üblich. Betrachten wir nur den normalen Klaviaturteil, so haben wir eine Quintaden 8'. Durch die Zusatzoktave wird sie zugleich zu einer Quintaden 16'. Wir wollen darum schreiben „Quintaden 8'/16"' und werden bei den übrigen Registern entsprechend verfahren.

Oktave 8' durch Pedal und Manual
Dieses Register wurde gebaut; Breissiger nannte es aber „Koppel", weil es nach Wegfall der Koppel 8’/16' zur tiefsten Prinzipalreihe geworden war. Entsprechend der Schreibweise „Quintaden 8'/16"' schreiben wir hier „Koppel 4'/8"'. Auch dieses Register ist ins Pedal transmittiert: der zweite überzählige Registerzug ist erklärt. Das Pedal hatte keine Zusatzoktave, sondern war mit seinem großen F ans Kontra-F des Manuals angehängt, mit groß G an Kontra-G usf. Für das Pedal war die Quintaden also nur ein 16'-Register, die Koppel ein solches zu 8'.

Lokation oder Mixtur
Dieses Register ist nicht ins Pedal transmittiert, weil bei mehrfach besetzten Registern die Transmission auf der Schleiflade technisch kaum möglich ist. Auch hatte dieses Register vielleicht eine eigene Abteilung auf der Lade und wurde dann nicht durch eine Schleife, sondern durch ein Ventil gesteuert, weil vielfach besetzte Mixturen, noch dazu solche mit großen Pfeifen, durch Schleifen nicht mehr geschaltet werden können; dann war dies Register „Lokation oder Mixtur" von vornherein nicht mehr an die Transmissionseinrichtung anzuschließen. Das Register ist in der Registrieranweisung nicht ausdrücklich genannt, entsprach aber sehr wahrscheinlich dem Registerzug Nummer 10.

Zimbel durch Pedal und Manual
Die Zimbel ist gebaut worden, aber sie wurde nicht transmittiert. Anstelle der Transmission wurde ein Flötenbaß gebaut, der im Pedal spielbar war und wohl im 2’-Ton stand: der dritte der überzähligen Registerzüge.

Hohlpfeifenbaß 8'
„Im Geläut" deutet daraufhin, dass das Register gedeckt war, also nur dem Klang, nicht der Länge nach ein 8’-Register war. Die Hohlpfeife ist nicht nur im Bass, sondern durchs ganze Manual gebaut worden als Hohlpfeife 4'/8'.

Reiner Posaunenbaß 8'
„Rein" deutet in diesem Zusammenhang auf ein Zungenregister; „8' in der Länge und im Geläut“ bedeutet etwas Besonderes: im allgemeinen baute man die Zungenregister mit mehr oder weniger verkürzten Bechern; Zungen mit voller Becherlänge sind eine Spezialität der niederländischen Orgelbaumeister: ein zweites Verbindungsstück zwischen diesen und Meister Peter. Das Register stand zweifellos im Pedal und heißt in der neuen Orgel „Trompetenbaß“.

Schön weidlich Nachthorn h-a" 22 Töne
Eine Nachahmung des Zinken, der in der Ferne vom Nachtwächter geblasen wird. Das Register wurde gebaut und bestand wahrscheinlich aus sehr weiten Labialpfeifen in der 8'-Tonlage. Diese Konstruktion findet sich später mehrfach im niederländischen Orgelbau - ein drittes Bindeglied zwischen diesem und Breissiger.

Reiner, wohllautender Zink
Dies ist eine Nachahmung des Zinken durch ein Zungenregister, ebenfalls in der 8'-Lage. Nach dem Vertrag soll das Register möglichst unter das kleine h hinuntergeführt werden; später wird das kleine f üblich als Grenze nach unten für den Zinken. Auch der Zink findet sich vorwiegend im nordbrabantischen und im späteren hansestädtischen Orgelbau, der nachhaltig vom niederländischen Orgelbau beeinflusst ist - eine vierte Brücke Breissiger-Niederlande.

Quintaden 8'
„Im Geläut“ heißt auch hier „gedeckt".

Koppel 4'
Stand sicherlich im Prospekt des Positivs.

Oktave 1'
überrascht; wir würden eher die 2’-Lage erwarten. Das Register ist in der Registrieranweisung nicht erwähnt, passt aber - sei es als 1', sei es als 2' - gut hinein.

Scharfe Zimbel
Der Zusatz „scharf" bedeutet „besonders hochliegend". Es darf daraus jedoch nicht geschlossen werden, dass es sich dabei um die extrem hoch liegende „Rausch-" oder „Klingende Zimbel" gehandelt habe; das Register ist hier vielmehr zweifellos eine Plenummixtur.

Hohlpfeife 4'
Auch sie ist in der Registrieranweisung nicht ausdrücklich erwähnt, fügt sich aber ohne weiteres ein. „Im Geläut" = „gedeckt“.

Flöte 2'
Ein offenes, weites, zylindrisches Gemshorn.

Schalmei 4'
In der Registrieranweisung als „Rauschwerk" angeführt. Schön weit schallende Querpfeife. In der Registrieranweisung findet sich an ihrer Stelle der Ausdruck "Fleit (Flöte) Fagel". Dieser Ausdruck ist mir nur hier begegnet. Wahrscheinlich ein überblasendes Diskantregister im 4'-Ton.

Disposition des Breissigerschen Werkes
Im Zusammenhang notiert sah die Disposition des Breissigerschen Werkes so aus:

Prinzipalwerk
F, G, A-g"a"
50 Tasten
Quintaden 8'/16'
Nachthorn 8' Diskant
Koppel 4'/8'
Hohlpfeife 4'/8'
Mixtur
Zink 8' Diskant

Positiv
F, G, A-g"a"
38 Tasten
Quintaden 8'
Koppel 4'
Hohlpfeife 4'
Querpfeife (4')
Flöte 2'
Oktave 1'
Scharfe Zimbel
Schalmei 4'

Pedal
F, G, A-b
16 Tasten
Quintaden 16' Transmission
Koppel 8' Transmission
Flötenbaß (2’)
Posaunen- oder Trompetenbaß 8'

Peter Breissiger erscheint schon in seiner Bauweise verbunden mit dem niederländischen Orgelbau: die Kontra-Oktave im Prinzipalwerk, die volle Becherlänge der Trompete und wahrscheinlich auch der Schalmei, das weite Nachthorn und der Diskantzink, der Name „Hohlpfeife" für die Gedackten: das sind alles Eigenheiten der nordbrabantischen Schule. So wundert es uns nicht, wenn wir erfahren, dass Meister Peter auch noch selbst als Orgelbauer in den Niederlanden tätig war; vor 1528 baut er in Maastricht, 1528 in Tongeren. Sicherlich hat er manches aus den Niederlanden ins Rheinland gebracht; zweifellos hatte er aber auch dem niederländischen Orgelbau Wesentliches zu vermitteln. Und wenn später Johan van Coblents und Henrick Niehoff, die Begründer und Häupter der nordbrabantischen Orgelbauschule, nach Maastricht reisen, um dortige Orgeln zu besichtigen und zu studieren, so dürfen wir sehr wohl vermuten, dass es sich dabei um Orgeln von Meister Peter handelt. Von anderen Orgelbauern sind aus jenen Jahren keine Arbeiten bekannt, die in Frage kämen. Sicherlich haben sich Meister Peter Breissiger, Schöffe und Bürger von Koblenz, und Johan van Coblents persönlich gekannt - ich möchte vermuten, daß sie nahe miteinander verwandt waren, und meine, sie müssten Brüder gewesen sein. Für diese letztere Annahme spricht nämlich Folgendes: die beiden Meister Johan und Henrick machen ihre Informationsreise mit Wissen und Willen und auf Kosten der Herzogenbuscher Kathedralkirche. An sich tut man so etwas nicht gern: es liegt darin ein Eingeständnis der eigenen Unterlegenheit. Ganz anders liegt der Fall, wenn Johan und Peter Brüder waren. Dann bleibt der Ruhm in der Familie, und das Ansehen des einzelnen Familienmitgliedes wird in solchen Fällen noch erhöht. So sehen wir Meister Peter, den Koblenzer Orgelbaukünstler, gar enge verflochten mit dem Wesen und Werden des niederländischen, speziell des nordbrabantischen Orgelbaues; und wir sehen seine Bedeutung wohl recht, wenn wir ihn als einen der großen Mittler bezeichnen zwischen der burgundischen und rheinischen Orgelkunst einerseits und der niederländischen andererseits.

Nicht ausgeführte Pläne 1584

Damit verlassen wir Peter Breissiger und seine Trierer Domorgel von 1537. Inzwischen machen seine Nordbrabanter Kunstfreunde Schule: Henrick Niehoff - Johan van Coblents ist inzwischen gestorben - baut nicht nur in den Niederlanden bedeutende Orgelwerke, er wird auch an bedeutende Kirchen Deutschlands – Hamburg/St. Petri und Lüneburg/St. Johannis – gerufen. Um 1561 stirbt Henrick Niehoff, sein Sohn Nikolaes führt das Unternehmen weiter; er assoziiert sich mit dem Herzogenbuscher Orgelbaumeister Arndt van Lampeler und baut mit diesem zusammen 1569/73 die große 24'-Orgel im Dom zu Köln.

Nicht lange nach diesem bedeutungsvollen Orgelbau werden in Trier wieder Orgelwünsche wach. Die Trierer Orgel, zur Zeit ihrer Erbauung ein kostbares, überragendes Werk, soll wiederum auf die Höhe der Zeit gebracht werden. Man wendet sich - so dürfen wir vermuten nach Köln; Meister Arndt wird empfohlen. Und Arndt van Lampeler kommt nach Trier, besieht sich die Lage und macht den Trierer Domherren einen Entwurf, wie er sich die Sache denkt. Am 26. September 1584 wird ein entsprechender Bauvertrag abgeschlossen. Daraus ergibt sich folgende Disposition:

Prinzipalwerk
Kontra-F bis a"
50 Tasten
Prästantbaß 8'/12'
Bordun 8'/12'
Kleinprästant 4'/6'
Oktavprästant 2'/3'
Sifflett 1'/1 1/2' Diskant
Mixtur 1 1/3' / 2'
Zimbel oder Scharf
Schalmei 4' Diskant

Positiv
Groß F-a"
38 Tasten
Hohlpfeife 8’/16'
Prästant 4'/3'
Hohlpfeife 4'/3'
Nasard 2 2/3' / 2'
Oktave 2’ / 1 1/2'
Quintsifflett 1 1/3' / 1'
Mixtur 2 2/3' / 2'
Zimbel
Regal 8'/6'
Krummhorn 8'/6'

Pedal
Groß F-c' oder d'
Prästantbaß 16'/12' Transmission
Trompete 8’/6'
Gemshorn 2'/1 1/2'

Manualkoppel, geteilt nach Baß und Diskant - Tremulant - Nachtigall - Zwei Ventilsterne - 7 Bälge

Die Gesamtanlage dieser geplanten Orgel ähnelt durchaus der Breissigerorgel. Im Prinzipalwerk kommt ein Prästantbaß hinzu; für Breissigers Nachthorn und Hohlflöte setzt Meister Arndt Register, die ihm wichtiger sind: Oktave 2' und Sifflett l' - letzteres eine Fortsetzung des Gemshorn 2' im Pedal; statt des Zink plant er eine Schalmei 4' - als Fortsetzung der Pedaltrompete. Die Transmissionsanlage, wenigstens für ein Register, den Prästantbaß, bleibt. Im Positiv kommen eine Mixtur und ein Krummhorn dazu, die Oktave 1' erscheint nunmehr im 2’-Ton; statt Querpfeife 4' und Flöte 2' setzt Arndt zwei Quintflöten. Nasard 2 2/3' und Quintsifflett 1 1/3’. Im Vertrag steht „Sifflett oder Quintsifflett"; da van Lampeler im Prinzipalwerk schon ein Sifflett 1’ plant, wird er für das Positiv sicherlich ein Quintsifflett beabsichtigt haben. Statt der Schalmei, die er schon im Prinzipalwerk als Fortsetzung der Pedaltrompete plant, setzt er ein Krummhorn 8' ins Positiv.

Im Pedal haben wir nur eine Transmission, den Prästantbass, dazu die Pedaltrompete und die nunmehr „Gemshorn" genannte Flöte 2'. Trompete und Gemshorn werden im Manualdiskant durch Schalmei und Sifflett fortgesetzt.

In all diesen Einzelheiten ist zwar Lampelers Plan anders als die vorhandene Breissigerorgel; im Grundriss aber geht er kaum über Meister Peters Instrument hinaus. Damit hatte Meister Arndt die Trierer Domherren völlig missverstanden. Das war nicht ihre Meinung, als sie sich den prominenten Meister aus den Niederlanden verschrieben. In Köln musste man doch eine ganz andere Orgel gebaut haben, als sie sie in der Breissigerorgel hatten, die seinerzeit sicherlich ein Glanzstück der Orgelbaukunst war, nun aber doch zweifellos als veraltet angesprochen werden musste.

Und so erbaten sich die Trierer von Meister Arndt höflich eine Frist von ,,einem halben Jahr, um den Plan „prüfen zu lassen", und schrieben in der Angelegenheit sofort nach Köln. Köln entsandte seinen Domorganisten, Meister Hubert, persönlich nach Trier. Der Kölner Künstler brachte den Trierern den Kölner Vertrag von 1569 mit, in dem alle Einzelheiten über seine Orgel niedergelegt waren. Das aufschlussreiche Dokument nahmen die Trierer sorgfältig zu ihren Orgelakten, wo es noch heutigen Tags zu finden ist. Und nun wurde zusammen mit Meister Hubert der Kölner Plan eingehend studiert; ja, das war etwas ganz anderes, da war zunächst einmal eine ganze Anzahl von Registern mehr, und dann hatte die Kölner Orgel nicht nur zwei, sondern drei Manuale! Das war ihre Idee, so etwas wollten sie haben, und so wurde denn gleich einmal ein Plan skizziert, wie sie sich ihn für ihre Trierer Domorgel dachten; die Skizze lautet, in moderner Umschrift, so:

Prinzipalwerk
F-a"
50 Tasten
Prästant 8’/12'
Bordun 8'/12'
Oktave 4’/6'
Oktave 2’/3'
Mixtur
Scharf

Oberlade
C-a"
41 Tasten
Hohlpfeife 8'
Oktave 4'
Offenflöte 4'
Nasard (2 2/3')
Gemshorn 2'
Quintflöte (1 1/3')
Rauschzimbel
Trompete 8'

Positiv
F-a’’
38 Tasten
Baarpfeife 8'/6' (= Quintaden)
Prästant 4'/3'
Hohlpfeife 4'/3'
Oktave 2' / 1 1/2'
Sifflett 1’ / 1 ¾’
Mixtur
Zimbel
Krummhorn. oder Regal 8'/6'
Zink f-a’’(8’)
Schalmei 4’/3'

Pedal
F-d'
20 Tasten
Trompete (8'/6')

Das ist eine ausgezeichnete Synthese der beiden Dispositionen Köln/Dom 1569 und Trier/Lampelerentwurf 1584. Im Prinzipalwerk hat diese Synthese über Köln hinaus einen Bordun: weil ihn Lampeler 1584 plant. In der Oberlade findet sich die Quintflöte 1 1/3’: weil der Lampelerplan sie hat. Im Positiv heißt es nicht nur, wie in Köln, „Regal 6`“, sondern „Krummhorn oder Regal 6"': weil der Lampelerplan Krummhorn und Regal vorsieht. Da der Raum in Trier knapp ist, werden die Prästanten im Prinzipalwerk und Positiv nicht zu 24'-12'-6' bzw. 6'-3' disponiert, sondern stattdessen nur zu 12'-6'-3' bzw. 3'-1 1/2'. Die beiden großen Prästanten, die die Kölner Oberlade hat, bleiben in der Synthese weg.

Die Trierer Skizze erreicht somit ein Dreifaches: 1. Grundriß wie Köln/Dom, 2. alle in Köln sowie im Lampelerentwurf vorhandenen Register und 3. Anpassung an die Trierer Platzverhältnisse.

Nun wissen die Trierer genau, was sie wollen. Meister Arndt muß noch einmal kommen. Jetzt kann man ihm genau sagen, was man haben möchte. Und am 29. Juli 1585 wird ein neuer Vertrag geschlossen, dessen Disposition sich genau an die Synthese hält, wie sie die Trierer mit dem Kölner Domorganisten Hubert beraten haben, mit der einzigen Ausnahme, dass im Positiv „Krumhorn oder Regal" wegfällt.

Die Hocque-Orgel von 1594

So war nun endlich der Plan perfekt - aber es kam nicht zur Ausführung dieses Planes. Meister Arndt hatte Wichtigeres zu tun. Im Hohen Dom zu Münster in Westfalen sollte er mit seinen Brüdern eine neue dreimanualige Orgel bauen, die bis zum 16' geführt war. Die 12'-Orgel des Trierer Doms hatte - wenigstens für den Augenblick kein Interesse für ihn. Und so erscheint denn im Mai 1590 in Trier ein neuer Kontrahent, Meister Florentinus Hocque aus dem Grave in Brabant. Wieder ein Meister aus den Niederlanden, und, wie wir an der Disposition sehen werden, wieder ein Meister der nordbrabantischen Schule. Ob Hocque - dessen Brüder ebenfalls gerühmte Orgelbaumeister waren - ein Schüler der Lampelers war und von Meister Arndt, als dieser wegen des Münsteraner Baues den Trierer Herren absagen musste, empfohlen wurde? Oder ob die Hocques Schüler der Niehoffs waren? Das ist hier nicht auszumachen. Jedenfalls macht Meister Florentius mit den Herren von Trier am 7. Mai 1590 folgenden Plan, dessen Disposition in unserer Umschrift lautet:

Prinzipalwerk
(F-a")
Prästant oder Koppel 8'/16'
Oktave 4/8'
Superoktave 2'/4' (nicht ausgeführt)
Mixtur 2 2/3' / 5 1/3' (2'/4' ausgeführt)
Scharf oder Zimbel

Oberlade
(F-a")
Quintaden 16'
Hohlpfeife 8'
Oktave 4'
Deutsche Pfeife 4'
Sesquialter
Vox humana oder Nasard (2 2/3’)
Gemshorn 2'
Rauschzimbel 3f.
Trompete 8'
Schalmei 4'

Positiv
(F-a’’)
Prästant oder Koppel 8'
Quintaden 8’
Oktave 4'
Hohlflöte 4'
Superoktave 2'
Sifflett 1 1/3'
Mixtur
Zimbel (2f. ausgeführt)
Krummhorn 8'
Regal 4'

Pedal
(F-c’)
Prästant oder Koppel 16' (Transmission)
Trompete (16' c-c’ ausgeführt und auf A-c'erweitert)

Tremulant Positiv - Tremulant Prinzipalwerk und Oberlade - Vogelgeschrei - Nachtigall - Trommel - Ventilsterne - 2 blasende Engel - Schlickstimmung

Zur Kenntnis der Einzelheiten des Hocqueschen Orgelwerkes bieten uns die Trierer Orgelakten noch zwei weitere Quellen:

  1. Am 13. März 1594 wird das Werk zur Abnahme geprüft. Die Engel, die Zimbelsterne, die Nachtigall und die Trommel sind noch nicht gemacht; auf der Prinzipallade ist in der Flucht der Pedaltrompete noch Raum für ein neues Manualdiskantregister frei, dorthin soll eine „Sesqialter" gestellt werden, die noch einmal so groß ist wie die auf der Oberlade. Der Umfang der Pedaltrompete soll hinunter bis zum großen A erweitert werden.
  2. Am 8. Mai 1617 wird ein Mängelverzeichnis aufgenommen. Die Trierer nehmen es ernst mit ihrer Orgel. Das Verzeichnis erwähnt im Oberwerk eine Superoktave; sie ist offenbar noch nach der Abnahmeprüfung eingebaut worden, ebenso wie die von den Prüfern verlangte „Sesquialter" im Prinzipalwerk. Die Pedaltrompete ist nunmehr „Posaune" genannt. Die „Schärfe 3fach" der Oberlade wird als gänzlich verdorben bezeichnet: kein Wunder, da ein Feld-Wald-Wiesenorgelbauer mit der „kunstreichen" (Praetorius) „Klingenden Zimbel“ (um eine solche handelt es sich bei der Rauschzimbel) eben nicht fertig werden konnte.

Florentius Hocque hält sich bei seinem Plan keineswegs sklavisch an den Entwurf der Trierer: er hat seine bestimmten eigenen Gedanken. Den Bordun im Prinzipalwerk baut er nicht; dafür setzt er auf die Oberlade eine Quintaden 16'. Auf Sifflett 1' verzichtet er, dafür gibt er dem Rückpositiv einen 8'-Prästanten als Grundlage. Den Zink lässt er weg, dessen Zeit ist um; dafür setzt er Regal 4' ein, das von den Orgelbauern später „Singend" oder „Geigenregal" genannt werden wird. Die Pedaltrompete baut er eine Oktave tiefer als bisher üblich. Trotz dieser Verschiedenheit in den Einzelheiten ist der Grundriß des Hocqueplanes der gleiche wie der des Entwurfs der Trierer, des Lampelerplanes, der Kölner Disposition: es ist der Grundriss der Dispositionen der nordbrabantischen Orgelbauschule. Eine Skizze dieses nordbrabantischen Dispositionsgrundrisses würde so aussehen:

Prinzipalwerk Kontra-F bis a"
Großer Prinzipalchor, das „Organum plenum" oder das „Prinzipal":
Prinzipal 8'/16'
Oktave 4'/8'
(Superoktave 2'/4')
Mixtur
Scharf

Oberwerk
C-a" oder F-a’’
Weiter Flötenchor:
Hohlpfeife 8'
Offenflöte 4'
Nasard 2 2/3’
Gemshorn 2’
Quintflöte 1 1/3'
Zungen:
Trompete 8'
Zink 8'
Schalmei 4'
Ferner noch Prinzipal 8’ oder Oktave 4', Rauschende oder klingende Zimbel, Quintaden 16'

Rückpositiv
Kleiner Prinzipalchor:
Prinzipal 8' oder 4’
Oktave 4' oder 2'
(Superoktave 2’)
Mixtur
Scharf
Zungen:
Zink 8'
Baarpfeife 8'
Krummhorn 8'
Regal 8'
Schalmei 4'
Regal 4'
Ferner noch Quintaden 8' und die weiten Flöten Hohlpfeife 4' und Sifflett 1'

Pedal
F-c' oder d'
Ans Prinzipalwerk angehängt, darüber hinaus selbständig Trompete 8' (16’)

Tremulant - Trommel - Nachtigall - Manualkoppel

Diesen Typ schaffen in langer Entwicklung - vom Anfang bis in die vierziger Jahre des 16. Jahrhunderts - Johan van Coblents und Henrick Niehoff ; so bauen dann die Brüder Lampeler und die Familie Hocque: die Orgelbauer der „nordbrabantischen Schule".

An der Trierer Domorgel erleben wir - mehr oder weniger direkt alle Generationen dieser nordbrabantischen Orgelbauschule: Peter Breissiger als Parallele zu den Begründern Johan van Coblents und Henrick Niehoff, Arndt van Lampeler, der zur Generation des Nikolaes Niehoff gehört, und Florentius Hocque, der jene Epoche zeitlich abschließt - und auch mit einem gewaltigen Orgelwerk: er ist es, der dazu berufen sein wird, 1617-1632 die räumlich und an Registerzahl größte niederländische Orgel jener Epoche zu bauen in der Kathedrale St. Jan zu Herzogenbusch, deren großartiger, überwältigend schöner Prospekt heute noch vorhanden ist. Und selbst dieses späte Werk zeigt bei aller außergewöhnlichen Größe der Anlage und Zahl der Register noch immer den gleichen Grundriß wie alle großen Dispositionen der nordbrabantischen Schule.

 

Die barocke Nollet-Orgel

130 Jahre stand das Werk von Meister Florentius im Trierer Dom; dann wurde es ersetzt durch eine neue Orgel von Jean Nollet/Trier, mit dem das Domkapitel am 7. Juni 1724 folgende Disposition vereinbart:

Grand Orgue
Montre 16'
Bordun 16’
Oktave 8’
Hohlpfeife 8’
Quinte 5 1/3’
Prästant 4’
Flöte 4'
Terz 3 1/5’
Quinte 2 2/3’
Doublette 2’
Terz 1 3/5'
Kornett 7fach
Mixtur 6fach
Zimbel 4fach
Bombarde 16'
Trompete 8'
Vox angelica (2' Baß)

Positif
Montre 8'
Bordun 8'
Prästant 4’
Quinte 2 2/3'
Doublette 2'
Terz 1 3/5’
Mixtur 5fach
Krummhorn 8’
Vox humana 8'

Echo
Bordun 8'
Prästant 4'
Quinte 2 2/3'
Doublette 2'
Terz 1 3/5’
Kornett 5fach
Mixtur 4fach
Trompete 8'
Krummhorn 8'

Das Pedal ist gar nicht erwähnt, ist also offenbar angehängt ohne eigene Register.

Nollet ist sichtlich der Vorläufer der großen rheinischen Orgelbauerfamilien Stumm und König. Dieser Nollet-Stumm-Königsche Orgeltyp ist eine vereinfachende Synthese aus dem mitteldeutschen und dem französischen Orgeltyp. Der deutsche Typ kennt Hauptwerk, Rückpositiv und Brustwerk: also wählt man aus den französischen fünf „Werken" Grand Orgue, Positiv und Echo; der deutsche Typ hat in jedem Werk einen Prinzipalchor bis zu den Mixturen hinauf, tiefe Gedackte und Flöten sowie Zungen: die Prinzipalchöre werden mit Quinten und Terzen durchsetzt, wie sie die französischen Dispositionen nennen - dort allerdings sind sie als Bestandteile eines ausgebauten, vielseitigen weiten Flötenchores konstruiert. Als Zungen werden die im französischen Orgelbau üblichen ausgewählt: Bombarde, Trompete, Vox humana, Krummhorn. Schließlich wird noch der Kornett eingesetzt, dessen Heimat übrigens Südbrabant ist. Die Vox angelica ist mir nur bei den genannten rheinischen Familien begegnet.

Nollets Orgel übertrifft die altniederländischen Instrumente an Registerzahl bei weitem, keineswegs jedoch an Klangfarbenreichtum. Nollet hat Quinten und Terzen im Prinzipalchor sowie die Kornetts; die Brabanter haben statt dessen ein paar weite Flöten zu 2 2/3', 2’, 1 1/3' und 1' und erreichen damit fast mehr: die hohen Flötenaliquoten ersetzen beinahe den Kornett und geben der Orgel überdies als Gegenstück zum Prinzipalchor einen zerlegbaren weiten Flötenchor; und wenn wir noch an die Rauschzimbel, die Quintadenen und die Pedaltrompete denken, so wird offenbar, dass die genialen niederländischen Orgelbaumeister mit 25 Registern tatsächlich ein reicheres Klangbild erzielten als der spätere Meister mit 35 Registern. Der Typ der Nordbrabanter Orgelbauer, den auch ihre Orgelprojekte am Trierer Dom vertreten, gehört der Geschichte an; hinsichtlich der stilistischen Reife aber und der klanglichen Ökonomie sind jene Instrumente nicht mehr übertroffen und nur selten erreicht worden. Sie waren würdig und berufen, die Mittler der Tokkaten, Fantasien und Variationen des größten altniederländischen Organisten zu sein, des Amsterdamer Meisters Jan Pieterszoon Sweelinck.

Quelle: Hans Klotz, Niederländische Orgelbaumeister am Trierer Dom (in Zeitschrift „Die Musikforschung“ II, 1949 S. 36-49)